Die Geschichte der Gartenzwerge

Die Geschichte der Gartenzwerge

Kaum ein anderer Dekoartikel, als der Gartenzwerg, teilt das Land in zwei Fraktionen. Die einen empfinden den Gartenzwerg als Symbol und Inbegriff des deutschen Spießbürgertums, während andere wiederum den Zwerg als eine traditionsreiche Aufwertung ihres Vorgartens ansehen. Nicht selten führen die kleinen Wichtel zu erheblichen Nachbarschaftsstreitigkeiten unter Nachbarn. Aber nichts destotrotz können die kleinen Tonfiguren mit ihren roten Zipfelmützen auf eine lange Geschichte zurückblicken.

In Deutschland haben die Gartenzwerge ihren Ursprung im 19. Jahrhundert. Noch heute werden in zahlreichen Manufakturen in Thüringen Zwerge hergestellt.

Geschichtliches zum Gartenzwerg

Den Gartenzwerg wie man ihn heute als Gartendeko kennt, gibt es nicht erst seit gestern. Ursprünglich stammen die kleinen Gartenwichtel aus Anatolien. Den ersten Gartenzwergen ist man dort schon im 13. Jahrhundert begegnet, bevor die Zwerge im 16. Jahrhundert in Italien heimisch wurden. Einige Zeit später eroberten die Gartenzwerge als Bewohner auch die Vorgärten in Deutschland und fanden unter den Gärtnern eine Reihe von Liebhabern, die sich nicht selten als Sammler der kleinen Gesellen outen.

Garden gnomes - Götze

Karl Götze – aus dem Album für Teppichgärtnerei und Gruppenbepflanzung 2nd ed., Erfurt: L. Möller

Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich schmückten die Gartenzwerge die prächtigen Schlossgärten. Ein bekennender Liebhaber der Wichte aus Sandstein oder Terracotta mit ihrer roten Mütze war Erzbischof Franz Anton Harrach.

Die Zwergenfiguren aus Sandstein der damaligen Zeit hatten mit den heutigen Gartenzwergen wenig gemeinsam und dennoch waren sie bei Gartenbesitzern und Co. sehr beliebt. Das Aufstellen der Wichtel war nahezu obligatorisch.

Wie muss ein echter Gartenzwerg aussehen?

Im Großen und Ganzen haben alle Gartenzwerge sowohl ihre Form wie auch ihre Größe als Gemeinsamkeit. Weit in der Vergangenheit waren die Liliputaner das Vorbild der Zwerge, die am Hofe verschiedene Aufgaben erledigen mussten. Daher kommt sicherlich auch die Vielfalt der verschiedenen Motive bei den Gartenzwergen. Schon früh fand man den Zwerg mit Schubkarre, Schaufel, Spitzhacke, Katapult und Laterne, was wohl auf die Arbeit von Bergleuten im Bergbau hinweisen sollte.

Gnomeo und Julia, ein US-amerikanisch-britischer Computeranimationsfilm aus dem Jahr 2011, der lose auf der Tragödie Romeo und Julia von William Shakespeare aufbaut.

Die Wichtel tragen dabei sehr oft eine Art Lederschürze sowie ihre bekannte rote Zipfelmütze, die stark an die antike phrygische Mütze erinnert und dabei der Kopfbedeckung des Weihnachtsmannes stark ähnelt. Denken wir einen Schritt weiter und werfen einen Blick in die Märchenbücher, war klar, dass auch die Märchenfigur Schneewittchen als Zwergenfigur nicht weit entfernt sein konnte.

Einige der heutigen Gartenzwerge werden aus Gips hergestellt und tragen neben ihren roten Zipfelmützen auch bunte Westen und andere farbenfrohe Kleidungsstücke. Die Hersteller der Gartenzwerge gehen heute sogar soweit, dass die Wichtel ihren Stinkefinger zeigen oder sich als Exhibitionisten präsentieren. Nicht selten findet man auch den Wichtel mit einem Messer im Rücken sowie als Modell bekannter Persönlichkeiten aus der Politik.

Zwerg Schloss Lamberg Gartenzwerg

Foto: Christoph Waghubinger (Lewenstein) – Eigenes Werk
Eine Sandsteinfigur im Hof von Schloss Lamberg (Johann Baptist Wuntscher, 1720)
CC BY-SA 3.0 at

Kitschobjekt Gartenzwerg

Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurden viele deutsche Vorgärten durch einen Wichtel mit roter Mütze geprägt. Den Zwergen sagte man lange nach, dass den Garten beschützen und dem Gartenbesitzer auch sonst Glück bringen sollen. Dank der charakteristischen Form und der roten Zipfelmützen hat sich der Dekoartikel weltweit durch seine Popularität als typisch deutsch geoutet und sich in die Köpfe der Weltöffentlichkeit gebrannt.

 

Dies hatte jedoch auch zur Folge, dass der Gartenzwerg mehr und mehr als Kitsch angesehen wird. In vielen Gärten findet man nicht mehr den üblichen Gartenzwerg mit seinen Werkzeugen, sondern viel mehr den Zwerg mit ausgestrecktem Mittelfinger oder blankem Hinterteil. Dies führt natürlich immer wieder zu Nachbarschaftsstreitigkeiten und endet zuletzt vor sogar vor dem Gericht.

Manufakturen für Gartenzwerge

Auch wenn viele der kleinen Gartenzwerge aus Kostengründen heute aus Kunststoff und nicht mehr aus Terrakotta hergestellt werden, gibt es gerade in Thüringen immer noch eine Reihe von Gartenzwergmanufakturen. In der Manufaktur Meißen und der Wiener Porzellanmanufaktur wurden in der Zeit von 1744 bis 1750 zahlreiche Einzelfiguren für die beliebten Zwergen-Galerien gefertigt.

Eine Manufaktur in Thüringen hat neben den Wichteln auch Tierköpfe und andere kleinere Statuen hergestellt, um die Jagdschlösser der Adligen damit zu schmücken. 1872 wurden in Gräfenroda in Thüringen zwei neue Manufakturen von August Heissner und Philipp Griebel (Erfinder der Gartenzwerge) gegründet, die sich auf die Massen- und Serienproduktion von Gartenzwergen spezialisierten.

Den ersten Thüringer Zwerg konnte man dann auf der Leipziger Messe im Jahr 1898 bewundern. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg stoppte der Export der typisch deutschen Gartendekoration. Es ging sogar soweit, dass vom damaligen NSDAP-Gauleiter ein Verbot gegen Gartenzwerge in deutschen Vorgärten erwirkt wurde, da es sich um einen störenden Eingriff in das Landschaftsbild handeln würde.

Vereinigungen für den Gartenzwerg

In Basel wurde 1981 die erste Internationale Vereinigung zum Schutz der Gartenzwerge gegründet. Der Fokus ihres Anliegens lag auf der Verbreitung der Zwergenkunde, die auch Nanologie genannt wird. Die Nanologen haben den echten und artigen Gartenzwerg definiert. Nach Meinung der Nanologen muss der Zwerg eine Größe von 69 Zentimeter haben, eine rote Zipfelmütze sowie einen Bart tragen. Des Weiteren ist der Gartenzwerg immer männlich.

Ende der 90er-Jahre entstand dann die‚ Front zur Befreiung der Gartenzwerge. Viele Anhänger der Vereinigung befreiten den Gartenzwerg (Nanus) aus den Vorgärten und setzen ihn in seinem natürlichen Lebensraum, dem Wald aus.

Gerade Fritz Friedmann als selbsternannter Professor der Nanologie (Zwergenkunde) kennt haarsträubende Fälle, die sich allesamt mit den Wichteln beschäftigen. Nicht selten werden die Zwerge sowohl in der Werbung wie auch in anderen Medien missbraucht. Laut Friedmann sind weibliche Gartenzwerge das Abscheulichste, was man sich vorstellen kann. Er hat den Produzenten Reinhard Griebel zu einer Geldstrafe verdonnert, weil dieser eine Zwergin in sein Sortiment aufgenommen hatte.

Friedmann möchte der kitschigen Verbreitung und der unsinnigen Vorlieben bei den Gartenzwergen Einhalt gebieten und setzt hierbei auf die Zwergen-Forschung. Seiner Meinung nach soll es einen Lehrstuhl für Nanologie an den Universitäten geben.

 

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Gartenzwerge im Biedermeier

Gartenzwerge wurden in der Biedermeier-Zeit gerne als Motive für Bilder verwendet. Viele der damaligen Künstler haben sowohl auf Leinwand wie auch auf Porzellan Zwerge, Wichtel und Gnome gemalt.

Zusammenfassung

Gartenzwerge sind keine neue Modeerscheinung in zahlreichen deutschen Vorgärten – die Geschichte reicht weit in die Jahrhunderte zurück. Der typische deutsche Gartenwichtel erlebte Anfang der 90er-Jahre eine Art Wiedergeburt, als er mit vollkommen neuen Motiven modelliert wieder auf der Bildfläche erschien. Durch das Medieninteresse, das weit über die deutschen Grenzen hinausreichte, fand der Gartenzwerg eine Reihe von neuen Liebhabern, die mit dem klassischen Zwerg nichts anfangen können.

Artikelbild: Fotoember / Bigstock.com

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