Zum Weltspartag am 30. Oktober: So sparen die Deutschen

Zum Weltspartag am 30. Oktober: So sparen die Deutschen

Am 30. Oktober ist Weltspartag. Dieser internationale Gedenktag geht auf eine Idee aus dem Jahr 1924 zurück und ist der Förderung des Spargedankens gewidmet. Damit jährt sich dieser Tag im Jahr 2020 zum 95. Mal. Das ist Anlass genug, um einmal zu schauen, wie das Sparverhalten der Deutschen im Pandemie-Jahr 2020 ist. Und dabei zeigen Studien, dass sie so viel Geld zur Seite legen wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Aktuelle Studie zeigt: Sparrekord im Pandemie-Jahr in Deutschland

Das deutsche Sparvolumen ist im Jahr 2020 auf ein Rekordniveau geklettert, wie eine Studie der DZ Bank aus dem September zeigt. Bereits im ersten Halbjahr wurde deutlich mehr Geld beiseitegelegt als üblich. Die Experten gehen davon aus, dass auch in der zweiten Jahreshälfte die Sparquote außergewöhnlich hoch bleiben wird. Sie erwarten eine Gesamtsparquote für das Jahr von 16 Prozent – im Vergleich zu 10,9 Prozent in 2019.

Das ist anhand der Daten des Statistischen Bundesamtes der höchste Wert seit der Wiedervereinigung. Schon im ersten Quartal sei die Sparquote den Experten zufolge mit 16,5 Prozent auf einem Rekordniveau gewesen, im zweiten Quartal sogar auf 20,1 Prozent gestiegen. Die bisherigen Rekorde der Sparquote lagen in Deutschland bei 12,9 Prozent in den Jahren 1991 und 1992.

Eine Sparquote von 16 Prozent bedeutet, dass Haushalte von 100 Euro Einkommen 16 Euro auf die hohe Kante legen.

Die Gründe: Wirtschaftliche Angst und unterlassene Ausgaben

Auf den ersten Blick sind diese Zahlen ein wenig überraschend angesichts der Einschnitte durch die Corona-Pandemie. Auf den zweiten Blick ist jedoch genau diese Krise für das außerordentlich hohe Sparverhalten der Deutschen verantwortlich.

Denn viele private Haushalte hätten aus Angst vor Einkommenseinbußen, Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit Geld zur Seite gelegt. „Andererseits behinderten Lockdown-Maßnahmen und Reisebeschränkungen vor allem in der ersten Hälfte des zweiten Quartals den privaten Verbrauch massiv“, erklärte Volkswirt Michael Stappel in der zugehörigen Veröffentlichung der DZ Bank.

Auch der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) teilte bereits im Sommer diese Einschätzungen. So sei bereits während des Lockdowns im Frühjahr ein gedrosselter Konsum der Privathaushalte zu beobachten gewesen. „In dieser Zeit unterlassene Ausgaben aufgrund der Schließung von Geschäften und Gaststätten oder auch des Ausfalls von Urlaubsreisen werden die Bundesbürger später im Jahr nur teilweise nachholen“, sagte BVR-Vorstand Andreas Martin.

Gleiches ist auch bei aufgeschobenen Anschaffungen für langlebige Konsumgüter wie beispielsweise Autos zu beobachten gewesen – obwohl der Gesetzgeber als Anreiz die Mehrwertsteuer für Käufe im zweiten Halbjahr gesenkt hatte.

Die Einkünfte der Privathaushalte 2020 sind trotz anhaltender Corona-Krise stabil geblieben. Lediglich ein Minus von 0,8 Prozent wird hier verzeichnet. Im Gegensatz dazu ist der Verbrauch privater Haushalte um 11,7 Prozent zurückgegangen.

So sparen die Deutschen 2020

Beruhigende Wirkung: Sparen macht die Deutschen glücklich

Dabei ist jedoch auch ein weiterer Effekt zu beobachten. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag von RaboDirect hat ergeben, dass Sparen jeden zweiten Deutschen (60 Prozent) glücklich macht. Sparen sei gut für die Nerven. Demnach empfinden 83 Prozent das Zurücklegen von Geld als beruhigend und entspannend – je älter die Menschen werden, desto stärker ist diese Empfindung. Dafür werden sogar Einschränkungen und Verzicht in Kauf genommen. Lediglich 14 Prozent der im Jahr 2020 befragten Deutschen findet Sparen nervig, 10 Prozent von ihnen gar spießig.

Auch Wechselpilot hat zum 95. Weltspartag gemeinsam mit dem Unternehmen für digitale Markt- und Meinungsdaten Civey eine bundesweite Umfrage zum Thema Sparen gestartet: 84,1 Prozent der Teilnehmer haben ihre Finanzen im Griff und nur 25,6 Prozent der Befragten spart überhaupt nicht.

Sparwege: Die Deutschen mögen Sparstrumpf und Bankeinlagen

Die meisten Haushalte setzten Untersuchungen zufolge vor allem auf Bankeinlagen beim Sparen. Jedoch machen hier die extrem niedrigen Zinsen das Sparen schwer. Die DZ Bank zeigt in ihrer Studie ebenso auf, dass private Haushalte dadurch seit 2010 Netto-Zinseinbußen von insgesamt 379 Milliarden Euro verzeichnen. Im Gegenzug stieg die Bereitschaft, in Aktien anzulegen. Rund sieben Prozent des privaten Geldes ist in dieser Anlageform investiert, vom erstem zum zweiten Quartal ist der Anteil von 11,4 auf 13 Milliarden Euro gestiegen.

Eine Untersuchung des digitalen Versicherungsmanagers CLARK in Zusammenarbeit mit YouGov anlässlich des Weltspartages schlüsselt das Sparverhalten der Deutschen noch detaillierter auf: 25,2 Prozent der Deutschen setzt noch auf die Spardose, gefolgt von dem Tagesgeldkonto (24,9 Prozent), dem Bausparvertrag und Altersvorsorgeprodukten mit jeweils 14 Prozent und Festgeldkonten (12 Prozent). Erst danach kommen Aktiensparpläne, bei denen Männer mit 31 Prozent risikobereiter seien als Frauen mit 13 Prozent. Zukünftig weiteres Einsparpotenzial sehen die Deutschen dieser Umfrage zufolge vor allem bei Freizeitaktivitäten.

Allerdings zeigen Umfragen auch, dass viele Deutsche planlos sparen, wie die der Union Investment im Sommer 2020. 57 Prozent der Befragten zeigen sich unzufrieden mit dem Zinsniveau, sparen jedoch weiter – das Sparbuch ist immer noch gefragt (74 Prozent der Sparer). Nur die wenigsten überprüfen angesichts der Zinslage ihr Sparverhalten und eine Anpassung. Die meisten der Befragten argumentieren mit der vermeintlichen Sicherheit eines Sparbuchs, obwohl 41 Prozent wissen, dass es Geldanlagen mit besseren Erträgen gibt. Nur 32 Prozent wollen ihre Sparwege überprüfen.

Laut dieser Umfrage rechnet über die Hälfte der Befragten damit, dass die Zinsen in den nächsten fünf Jahren wieder steigen und sie das Zinstief aussitzen können.

2021: Ausblick auf das kommende Jahr

Die Experten schauen optimistisch in die Zukunft, dass der Trend sich auch im kommenden Jahr fortsetzen wird. Der BVR schätzte Ende September ein, dass auch im Jahr 2021 die Sparquote erhöht bleiben wird. Erst danach erwarten die Ökonomen ein Absinken auf rund 11 Prozent.

Dafür spricht auch eine Umfrage im Auftrag von Swiss Life Select bezüglich des Wegfallens des Solidaritätszuschlags im kommenden Jahr. Diesen Geldbetrag wollen der YouGov-Umfrage zufolge zwei Drittel der Deutschen in die Altersvorsorge stecken. Die Abschaffung des „Solis“ wird den Privathaushalten im kommenden Jahr mehrere Hundert Euro mehr in der Tasche bringen. Er beträgt 5,5 Prozent auf die Einkommens-, Lohn- und Kapitalertragsteuer.

Zusammenfassung

Die Deutschen sparen so viel wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Experten rechnen für das Pandemie-Jahr 2020 mit einer Sparquote von rund 16 Prozent, die private Haushalte von ihrem Einkommen zur Seite legen. Bankeinlagen und der Sparstrumpf sind trotz niedriger Zinsen immer noch die beliebtesten Anlageformen.

Artikelbild: gan chaonan / Bigstock.com

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