Große Räume einrichten und gestalten – so geht’s

Große Räume einrichten und gestalten – so geht’s

Loftartige Wohnungen liegen voll im Trend. Architekten suchen eine besondere Herausforderung, wenn sie alte Industriegebäude zu Wohnhäusern umgestalten. Für den späteren Bewohner wird die Einrichtung der offen gestalteten Wohnung ebenso zur Herausforderung. Damit Struktur und Behaglichkeit in die großzügig gestalteten vier Wände einziehen, gibt es ein paar Tipps, die bei der Einrichtung von großen Räumen beachtet werden sollten.

Stil ist nicht nur eine Frage des Geschmacks

Große Räume können schnell erschlagen. Wer ein Loft oder ein großes Wohnzimmer einrichten möchte, steht häufig vor der Frage: „Wo fange ich bloß an?“ Aus der Angst möglichst keine Fehler zu machen, wird meist der Fehler begangen, beim Einrichten den kleinen Details zu viel Aufmerksamkeit zu schenken. Wer mit zu großer Vorsicht an die Gestaltung von großen Räumen herantritt, wird hier ein Deko-Element aufgestellen und dort ein Bild aufhängen, statt dem Raum Struktur und Form zu verleihen. Wer jedoch große Räume gekonnt einrichten möchte, muss ebenso groß denken. Eine Vision ist gefragt. Daher steht am Anfang das große Ganze und somit Fragen wie „Welche Farbe soll der Raum bekommen?“ und „Welcher Einrichtungsstil passt zu mir?“.

Sehr verspielte Einrichtungsstile sind für große Wohnräume eher ungeeignet. Hingegen darf in großen Räumen gerne dick aufgetragen werden. Mondäne Einrichtungsstile wie der Kolonialstil oder der orientalische Einrichtungsstil sind hingegen geradezu geschaffen für großzügig angelegte Räume. Nicht jedem gefallen jedoch diese pompösen Einrichtungsstile. Manch einer bevorzugt den ruhigen und dennoch kreativen skandinavischen Wohnstil, bei dem Behaglichkeit groß geschrieben wird. In den Ländern mit den langen Wintern werden helle Farbtöne dunklen vorgezogen. Außerdem kann es nie zu „hyggelig“, also zu gemütlich, werden. Kissen, Decken, farbige Teppiche und Vorhänge bestimmen neben Naturhölzern das Bild und sorgen dadurch in großen Räumen für Behaglichkeit.

Der minimalistische Einrichtungsstil wird sonst vor allem bei kleinen Räumen angewendet, kann mit kleinen Anpassungen jedoch auch in loftartigen Wohnungen ganz groß herauskommen. Die Vorliebe für praktische und funktionale Möbel kann mit Akzenten in der Einrichtung und Dekoration gekonnt unterstrichen werden. Vom für den Minimalismus typischen Weiß der Wände muss sich der Bewohner dann jedoch verabschieden. Wer sich noch nicht sicher ist, welcher Einrichtungsstil der richtige ist, kann sich einmal von dieser Übersicht inspirieren lassen.

Mut zur Farbe zeigen!

Raumausstatter raten bei schmalen, engen Räumen meist von Farbspielen ab. Vor allem dunkle Farbtöne lassen kleine Räume noch kleiner wirken. Genau diesen Fakt kann sich der Bewohner eines Lofts jedoch zunutze machen. Gezielt eingesetzte Wandfarben können Räumen eine ganz neue Struktur und Atmosphäre verleihen. Um die Decken optisch etwas herabzusenken, empfiehlt es sich, die Wand nur bis zu einer bestimmten Höhe zu streichen. Der obere, weiße Rand geht somit in die Decke über, wodurch der gesamte Raum etwas niedriger und behaglicher wirkt.

Welche Farben dafür genutzt werden, ist in erster Linie eine Frage des Geschmacks. Grundlegende Regeln der Farblehre sollten jedoch berücksichtigt werden, das heißt, die Wandfarbe muss später zum Einrichtungsstil passen. Außerdem wirken Rottöne von Orange bis Pink sehr belebend, zuweilen jedoch auch aufregend. Wer den Raum zum Entspannen nutzen möchte, sollte daher auf Erdtöne, kühle Farben wie Blau oder Grün oder gedeckte Farben wie Grau und Beige setzen. Der Raum kann mithilfe von Farben jedoch noch auf andere Weise vorstrukturiert werden: Durch Farbverläufe oder akzentuiert eingefärbte Wände können einzelne Bereiche farblich zugewiesen werden. Vor allem dunkle Farben lassen die Wände räumlich näher wirken und sorgen für eine behagliche Atmosphäre.

Größe beweisen!

Wer einen großen Raum einrichten möchte, sollte sich nicht davor scheuen, den gesamten Platz zu nutzen. Das heißt jedoch nicht, dass der Raum unkontrolliert mit Möbeln zugestellt werden soll. Stattdessen sollte der Raum in einzelne Wohninseln unterteilt werden. Eine großzügige Sofalandschaft in L- oder U-Form lädt zum Verweilen ein. Abseits darf ein großer Ohrensessel oder ein lässiger Sitzsack neben dem Bücherregal stehen, um als Leseecke zu fungieren. Ein anderer Bereich wird als Essplatz genutzt. Im Zentrum sollte ein dekorativer, einzigartiger und einfach großartiger Esstisch stehen. Erwünscht sind neben Designerstücken auch selbst gemachte Unikate. So darf beispielsweise der alte Eichentisch der Großeltern gerne wieder mit neuem Leben gefüllt werden.

Mit der richtigen Beleuchtung kann der Esstisch gekonnt in Szene gesetzt werden. Dazu wird eine Lampe direkt über dem Esstisch platziert.

Abtrennen und strukturieren!

Um die einzelnen Bereiche als solche erkennbar zu machen, muss der Raum optisch strukturiert werden. Wandfarben sind eine Möglichkeit in der Vertikalen für Struktur zu sorgen. Eine andere Möglichkeit sind transparente Schiebetüren, Vorhänge bzw. Schiebegardinen, sowie halbhohe Kommoden. Es gibt viele Möglichkeiten, einzelne Bereiche unterschiedlichen Funktionen zuzuweisen. Neben den klassischen Raumteilern, bieten sich Teppiche als Strukturelement an. Häufig wird die Wirkung von Teppichen unterschätzt. Tatsächlich können Läufer jedoch gekonnt Laufwege und Passagen kennzeichnen. Hochwertig verarbeitete Hochflorteppiche laden zum Kuscheln und Verweilen ein, während farbige, bunte Teppiche für lebendige Akzente im Wohnbereich sorgen. Teppiche strukturieren auf der horizontalen Ebene den Raum. Sie grenzen die Sofalandschaft wie eine Insel vom Essbereich ab und sind daher elementare Einrichtungsgegenstände bei der Gestaltung von großen Räumen. Tipps für den umweltfreundlichen Kauf von Teppichen gibt es im Magazin Öko-Test.

Den roten Faden nicht verlieren!

Wer einmal begonnen hat, einen großen Raum einzurichten, wird schnell vom Gestaltungswillen gepackt. Bei aller Begeisterung darf jedoch der rote Faden nicht verloren gehen. Idealerweise werden die Einrichtungsideen zuvor auf dem Reißbrett erprobt. Einzelne Möbelstücke und wichtige Deko-Elemente können maßstabsgetreu auf dem Grundriss beliebig hin und her geschoben werden, bis die gewünschte Anordnung steht. Wem es schwerfällt mit dieser zweidimensionalen Technik eine Raumvorstellung zu bekommen, kann auch 3D-Einrichtungsplaner verwenden oder mit Kartons bzw. Styroporblöcken die Möbelstücke vor Ort simulieren und nach Belieben mit der Platzierung experimentieren.

Die persönliche Note

In keinem Fall sollten sich die zukünftigen Bewohner ausschließlich von Trends oder schicken Magazinseiten bei der Gestaltung ihres Wohnraums leiten lassen. Natürlich können Einrichtungsmagazine und Internetseiten als Inspiration genutzt werden, am Ende darf jedoch die persönliche Note nicht zu kurz kommen. Schließlich sind es die eigenen vier Wände, die eingerichtet werden. Erst mit den passenden Dekorationsartikeln mitsamt Familienfotos, Reiseandenken und mehr wird aus dem einst einfach nur großen Raum ein individueller Wohnraum mit Wohlfühlfaktor.

Zusammenfassung

Bei der Gestaltung von modernen Loft-Wohnungen und großen Räumen kommt es neben Struktur und Funktionalität vor allem auf Individualität und Kreativität an. Um in großen Räumen für eine behagliche Atmosphäre zu sorgen, müssen sie in klar definierte Teilbereiche unterteilt werden. Der Essbereich, die Sofalandschaft mit Fernseher und die Lese- oder Kuschelecke können farblich oder mithilfe von Raumtrennern und Teppichen optisch abgegrenzt werden.

Artikelbild: © PlusONE / Bigstock.com

1 Kommentar

  1. Luise Hanson 11.02.2019 15:52 Uhr

    Bei der Einrichtung unseres Wohnzimmers haben wir tatsächlich mit einem Teppich begonnen. Der Raum war bis dato komplett leer und wir haben dann das zum Teppich passende Sofa gefunden, im Togo Ligne Stil. Bislang war der Wohnbereich nicht deutlich abgeteilt und ich werde Ihren Tipp 1 deshalb gleich ausprobieren. Den Teppich unter unser neues Sofa zu legen, ist eine tolle Idee!

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