Wohnraumgestaltung für Menschen im Rollstuhl

Wohnraumgestaltung für Menschen im Rollstuhl

Laut dem Statistischen Bundesamt gibt es rund 7,55 Millionen Schwerbehinderte in Deutschland. Eine genaue Statistik über die Anzahl der Rollstuhlfahrer gibt es nicht, da das Statistisches Bundesamt lediglich die Art der Behinderung erfasst. Dennoch kann anhand der körperlichen Behinderung geschätzt werden, wie viele Menschen einen Rollstuhl benötigen: Rund 1,05 Millionen.

Ein nennenswerter Teil der Bevölkerung benötigt einen Rollstuhl, um sich innerhalb und außerhalb der Wohnung bewegen zu können. Rollstuhlfahrer wissen, wie schwer es für sie ist, selbst simple Dinge im Alltag eigenständig zu meistern: Von der WC-Nutzung über das Erreichen hoher Regale bis hin zum Treppensteigen. Aufgaben, die früher zu keinem Zeitpunkt ihres Lebens ein Problem darstellten, scheinen unüberwindbar. Für diese Menschen ist es von großer Wichtigkeit, ein Wohnumfeld zu schaffen, welches ihnen den Alltag erleichtert.

Das (schwierige) Leben eines Rollstuhlfahrers

Hohe Bordsteinkanten, erschwerter Zutritt in Gebäude – das Leben eines Rollstuhlfahrers besteht aus einer Vielzahl von Hindernissen. Zumindest zu Hause möchte er nicht mit seiner Wohnung kämpfen, sondern seinem Alltag ungestört nachgehen. Das ist in vielen deutschen Wohnungen nicht möglich. Sie wurden nicht mit dem Gedanken der Barrierefreiheit konzipiert. Das Resultat: Schmale Türen, steile Treppen, wenig Wenderaum für Rollstuhlfahrer.

Über die Probleme bei der Wohnungssuche hat eine Rollstuhlfahrerin im Blog von Aktion Mensch berichtet. Eine passende Mietwohnung zu finden, ist wahrlich nicht einfach. Besitzer einer Immobilie haben den Vorteil, dass sie ihre Wohnung umbauen und barrierefrei gestalten können. Besser wäre es natürlich, wenn das Konzept der Barrierefreiheit beim Bau der Wohnung berücksichtigt wird. Dann wären Umbauten nicht länger nötig.

Das Konzept der Barrierefreiheit

Ist mein Haus barrierefrei? – eine Frage, die viele Deutsche verneinen müssen. Über das Thema Barrierefreiheit machen sich die meisten Bundesbürger erst dann Gedanken, wenn sie betroffen sind. Ein großes Problem, denn von einer barrierefreien Wohnung profitieren Verbraucher nicht nur im Alter, sondern auch in jungen Jahren, wenn sie zum Beispiel durch einen Unfall gezwungen sind, einen Rollstuhl zu nutzen.

Barrierefreiheit ist ein Konzept, welches eigentlich beim Bau jeder Immobilie beachtet werden sollte. Es ist mit höheren Investitionen verbunden, die das Problem einer späteren Sanierung und somit weiteren, meist höheren Kosten eliminieren. Wie bereits gesagt, ist barrierefreies Bauen leider noch kein Standard. Angesichts der demografischen Entwicklung in Deutschland ist abzusehen, dass Barrierefreiheit nicht länger zu ignoriert werden kann.

Was versteht man genau unter Barrierefreiheit? Es handelt sich im Grunde um eine Bezeichnung verschiedener Richtlinien, die dafür sorgen sollen, dass ein Angebot für alle Zielgruppen gleichgestellt ist, sodass keine Gruppe einen Vor- oder Nachteil erhält. Für Wohnräume ist unter Barrierefreiheit die Wohnraumgestaltung getreu spezieller Richtlinien gemeint, die dafür sorgen, dass behinderte Menschen – in diesem Fall Rollstuhlfahrer – ihre Wohnung ohne Einschränkung nutzen können.

Barrierefreie Maßnahmen im Wohnbereich umfassen unter anderem:

  • breite Türen
  • bodengleiche Duschen
  • niedrig hängende Möbel

Ein Treppenlift für unüberwindbare Höhenunterschiede

Die größte Herausforderung für Rollstuhlfahrer ist die Überwindung von Höhenunterschieden. Wohnungen auf mehreren Etagen besitzen Treppen. Ihnen fehlt ein Lift, der in jedem Fall nachgerüstet werden kann.

Lifte gibt es in verschiedenen Formen und Ausführungen. Beliebt und praktisch ist der sogenannte Plattformlift, den es sowohl für den Innen- als auch Außenbereich gibt. Der Plattformlift besitzt eine Ladefläche, auf die der Rollstuhlfahrer fahren kann. Eine Trage- oder Führungsschiene, die an der Hauswand befestigt ist, befördert den Lift nach oben oder unten.

Beim Kauf eines Lifts ist darauf zu achten, dass sein maximales Höchstgewicht jenes des Rollstuhlfahrers trägt. Der Lift muss auch für die Treppe geeignet sein. Treppen können steil, kurvenreich oder gerade sein. Die korrekte Auswahl des Treppenlifts garantiert ein maximales Maß an Sicherheit und Komfort.

Die Kosten für einen Plattformlift belaufen sich je nach Ausführung auf mehrere Tausend Euro. Zuschüsse (bis 4.000 Euro) gibt es von der Pflegeversicherung, wenn sich der Rollstuhlfahrer in eine Pflegestufe befindet.

Aufgrund des hohen Investitionsbedarfs für einen Lift empfehlen wir Betroffenen, sich über alle möglichen Finanzierungs- und Zuschussmöglichkeiten zu informieren. Zinsgünstige Darlehen von der KfW sowie Zuschüsse von Ländern und Kommunen sollten in Erwägung gezogen werden, falls der Rollstuhlfahrer keine Pflegestufe besitzt. Jede kleine Maßnahme reduziert die Investition, erhöht den Komfort des Rollstuhlfahrers und trägt maßgeblich zu seiner Unabhängigkeit bei.

5 Eigenschaften, die eine Wohnung für Rollstuhlfahrer besitzen muss

Rollstuhlfahrer haben einen speziellen Bedarf für ihre Wohnungsausstattung.

  1. Zunächst darf sich in der Wohnung nichts befinden, welches das Fahren im Rollstuhl behindert: Teppiche, Stufen oder Absätze. Jede Türschwelle muss eben sein, um ein problemloses Herumfahren zu gewährleisten.
  2. Weiterhin ist die Wohnung so zu planen oder einzurichten, dass der Wendekreis eines Rollstuhls beachtet wird. Rollstuhlfahrer müssen überall in ihrer Wohnung auf der Stelle wenden können – auch in der Dusche – ohne dabei Probleme zu besitzen.
  3. Aufgrund der niedrigen Sitzhöhe in einem Rollstuhl sollte die Wohnung so ausgestattet sein, dass keine Möbel außer Reichweite platziert werden. Auf hoch hängende Möbel ist weitestgehend zu verzichten. Stattdessen sind intelligente Systeme gefragt, die sich im unteren Bereich befinden.
  4. Genauso problematisch wie hoch hängende Möbel sind Fenster, die von Rollstuhlfahrern nicht ohne Weiteres geöffnet oder geschlossen werden können. Für dieses Problem gibt es eine simple Lösung: Per Fernbedienung bedienbare Fenster. Einige Hersteller kombinieren die Bedienbarkeit ihrer Fenster mit einem automatischen Lüftsystem, welches für ein gutes Raumklima sorgt. Dank Regensensor schließen die Fenster automatisch.
  5. Die größte Herausforderung bei der Einrichtung der Wohnung befindet sich im Badezimmer. Hier sollten ein höhenverstellbarer, unterfahrbarer Waschtisch, zahlreiche Haltegriffe und eine bodengleiche Dusche zu finden sein. Unterschränke sorgen für Stauraum, dürfen aber den Rollstuhlfahrer nicht behindern.

Tipps und Informationen zur Planung einer für Rollstuhlfahrer geeigneten Wohnung gibt es auf einer Projektseite des Umweltzentrums für Energie und Nachhaltigkeit der Handwerkskammer Trier.

Zusammenfassung

Für Rollstuhlfahrer ist das Leben in einer konventionellen Wohnung alleine nicht möglich. Der Umbau der Wohnung ermöglicht ihnen, sich im Alltag eigenständig zurechtzufinden. Wer das Thema Barrierefreiheit beim Hausbau beachtet, erspart sich später (teure) Umbaumaßnahmen.

Artikelbild: © Photographee.eu / Shutterstock

1 Kommentar

  1. Oleksandr Solodilov 19.05.2018 10:02 Uhr

    Woher bekomme ich die E-Mail-Adressen von Rollstuhlfahrern (18 bis 30 Jahre)? Herzlichen Dank. Mit freundlichen Grüßen. Oleksandr Solodilov (Seite in Facebook)

    direkt antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.