Eigenverbrauch der PV-Anlage – welche Quote ist realistisch?

Eigenverbrauch der PV-Anlage – welche Quote ist realistisch?

Durch gesunkene Einspeisevergütungen entscheidet vor allem der Eigenverbrauch darüber, welche Rendite eine PV-Anlage erzielen kann. Deshalb sollten Sie im Voraus kalkulieren, welche Eigenverbrauchsquote mit der eigenen Solaranlage erreichen können. Was Sie dabei beachten sollten und in welchen Fällen Sie auf Strom im Eigenverbrauch Steuern zahlen müssen, erfahren Sie hier.

Wieso ist der Eigenverbrauch für eine PV-Anlage relevant?

Der Eigenverbrauch ist der wichtigste Faktor, wenn Sie vor der Anschaffung einer PV-Anlage stehen. Denn die Einspeisevergütung für die Teileinspeisung, bei der ein Teil des Solarstroms eingespeist und ein anderer Teil selbst verbraucht wird, deckt die Anschaffungskosten nicht ausreichend ab. Während die Einspeisevergütung in der Vergangenheit bei mehr als 50 Cent je Kilowattstunde lag, erhält man aktuell nur 6,34 Cent von den Netzbetreibern. Wenn Sie sich für eine Teil- statt Volleinspeisung entscheiden, sollte deshalb ein hoher Eigenverbrauch vorliegen.

Ein Großteil des Energiebedarfs des Haushalts wird durch die Photovoltaikanlage gedeckt und es muss kein Strom teuer eingekauft werden. Damit lässt sich eine PV-Anlage deutlich rentabler betreiben, denn für gekauften Strom aus dem Netz müssen Sie durchschnittlich Preise von mehr als 30 Cent je Kilowattstunde bezahlen. Im Haushalt genutzter Strom ist die finanziell bessere Lösung als selbst überschüssige Sonnenenergie an die Energieversorger zu verkaufen.

Welcher Eigenverbrauch ist für Photovoltaik realistisch?

Der durchschnittliche Energieverbrauch für eine 4-köpfige Familie in Deutschland beträgt etwa 4500 Kilowattstunden (kWh), während für einen Singlehaushalt ein Strombedarf von knapp 1500 Kilowattstunden anzunehmen ist. Verschiedene Faktoren können den Energiebedarf nach oben oder unten korrigieren, zum Beispiel die Arbeit im Homeoffice oder das Aufladen eines E-Autos. Auch mit einer Solaranlage kann nicht die gesamte benötigte Strommenge ersetzt werden, denn die Solarmodule erzeugen nur an sonnigen Tagen Strom.

Realistisch ist bei PV-Anlagen ohne Stromspeicher ein Eigenverbrauchsanteil von 30 Prozent, während die Erweiterung mit einer Batterie die Quote auf 70 bis 80 Prozent steigen lassen kann. Dabei handelt es sich um den durchschnittlichen jährlichen Eigenverbrauch, denn je nach Strombedarf und Leistung der Solaranlage sind mit einem Batteriespeicher Quoten von bis zu 100 Prozent im Sommer möglich.

Welche Szenarien gibt es für den Eigenverbrauch bei Privathaushalten?

100 Prozent Eigenverbrauch bei Solarstrom

Für den Eigenverbrauch ergeben sich drei grundlegende Szenarien. Im ersten Fall wird der erzeugte Strom vollständig selbst verbraucht und es findet keine Einspeisung von überschüssigem Strom statt. Zusammen mit einem Stromspeicher können Sie ein weitgehend autarkes System aufbauen, das eine größere Unabhängigkeit vom Strompreis bietet. Bei der Förderung haben Betreiber in diesem Fall sogar Vorteile, denn die Programme 261 und 461 der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sind nur für Solaranlagen geöffnet, die keinen Strom in das Netz einspeisen.

Teileinspeisung mit 30 bis 70 Prozent Eigenverbrauch

Die häufigste Variante bei PV-Anlagen ist die Teileinspeisung, bei der überschüssiger Strom gegen Vergütung an die Energieversorger verkauft wird. Der Eigenversorgungsanteil bei einem Solarsystem ohne Speicher liegt maximal bei etwa 30 Prozent und kann selten überschritten werden. Grund dafür ist die Beschränkung des erzeugten Solarstroms auf sonnenreiche Monate und Tageszeiten, während Sie bei wenig Sonnenschein Strom aus dem Netz zukaufen müssen. Deutlich erhöhen können Sie die Eigenverbrauchsquote mit einem Stromspeicher, sodass ein Anteil von 70 bis 80 Prozent möglich ist.

Bei der Teileinspeisung ist die Förderung der KfW auf das Programm 270 Erneuerbare Energien – Standard begrenzt. Andere Förderprogramme stehen nicht für Zuschüsse oder Kredite offen.

Volleinspeisung mit 0 Prozent Eigenverbrauch

Durch die Erhöhung der Einspeisevergütung bei der Volleinspeisung sollten Sie bei sehr niedrigem Eigenverbrauch prüfen, ob eine Umstellung auf Volleinspeisung finanziell rentabler ist. Dabei wird der erzeugte Strom vollständig eingespeist und es wird kein Solarstrom selbst verbraucht. Sinn macht dies unter Umständen, wenn der Anteil des Eigenverbrauchs sehr niedrig ist.

Durch die deutlich höhere Vergütung bei der Volleinspeisung kann in diesem Fall ein Verzicht auf Eigenverbrauch die bessere Lösung sein. Ob sich die Inbetriebnahme einer Solaranlage allerdings lohnt, wenn der erzeugte Solarstrom komplett eingespeist wird, müssen Sie selbst berechnen.

Wie kann man den Eigenverbrauch bei Solaranlagen verbessern?

Geräte auf Betrieb am Tag einstellen

Um einen lohnenswerten Eigenverbrauch für die Solaranlage zu erreichen, sollte der Zyklus von energiehungrigen Elektrogeräten auf den Tag umgestellt werden. Durch das Einschalten von Spül- oder Waschmaschine bei Sonnenschein nutzen Sie den Solarstrom optimal und müssen nicht am Abend teure Preise für Strom der Netzbetreiber zahlen. Moderne Geräte besitzen vielfach ein cleveres Energiemanagement, mit dem die Eigenverbrauchsquote tagsüber gesteigert werden kann.

Mehr Stromverbrauch für die Zukunft planen

Sinnvoll kann eine PV-Anlage auch sein, wenn Sie für die Zukunft einen höheren Stromverbrauch erwarten. Durch den Betrieb einer Wärmepumpe mit Solarstrom oder dem Aufladen eines Elektroautos sinkt der Überschuss von Strom durch die PV-Anlage. Damit sind die Solarmodule deutlich rentabler und Ihre jährlichen Energiekosten sinken deutlich.

Wie wichtig ist der Eigenverbrauch für die Rentabilität eines Stromspeichers?

Sehr wichtig ist der Eigenverbrauch ebenfalls, wenn Sie Ihre Photovoltaikanlage mit einem Batteriespeicher erweitern möchten. In der Batterie wird überschüssiger Solarstrom, der nicht direkt im Haushalt verbraucht werden kann, gespeichert und nicht mehr in das Stromnetz eingespeist. Dies hat den Vorteil, dass Sie auch nachts günstigen Solarstrom verbrauchen und nicht auf das Stromnetz angewiesen sind.

Durch die Anschaffungskosten des Batteriespeichers ist allerdings ein hoher Eigenverbrauch erforderlich, damit die Investition rentabel ist. Wichtig ist vor allem der Energiebedarf am Abend und in der Nacht, wenn der Speicher einspringt. Findet hingegen fast der gesamte Energieverbrauch am Tag zu Sonnenzeiten statt, ist der Kauf eines Solarspeichers kaum sinnvoll.

Wie wird der Eigenverbrauch bei PV-Anlagen steuerlich behandelt?

Keine Einkommensteuer bei Liebhaberei

Einkommensteuer ist auf die Erzeugung von Solarstrom nur zu zahlen, wenn Einnahmen aus dem Verkauf von Strom anfallen und überschüssige Energie verkauft wird. In der Vergangenheit mussten Anlagenbetreiber die Einkünfte bei der Steuererklärung angeben und entsprechend versteuern. Anlagen bis zu 10 kWp Leistung können allerdings inzwischen als Liebhaberei eingestuft werden und müssen keine Einnahmen-Überschuss-Rechnung beim Finanzamt abgeben. Bei der Entscheidung für die Vereinfachungsregel entfällt die Angabe des verkauften Stroms gegenüber dem Fiskus.

Erfüllen Sie die Anforderungen für die Vereinfachungsregel nicht, müssen Anlagenbetreiber die Regelbesteuerung verwenden und die Einkünfte versteuern. Dabei handelt es sich um die Vergütung der Energieversorger, die für eingespeisten Strom gezahlt wird. Diese ist gemäß Ihrem jährlichen Gesamteinkommen gegenüber dem Finanzamt bei der Steuererklärung anzugeben. Der Eigenverbrauch ist für die Einkommensteuer jedoch nicht relevant.

Für die Vereinfachungsregel ist ein formloser Antrag zu stellen und bei Ihrem Finanzamt einzureichen.

Umsatzsteuerpflicht oder Kleinunternehmerregelung?

Separat von der Angabe von Einkünften bei der Einkommensteuer ist die Umsatzsteuerpflicht zu betrachten. Egal ob Sie sich für die Vereinfachungsregel oder die Regelbesteuerung entscheiden, müssen Sie unter Umständen Umsatzsteuer auf verkauften und selbst verbrauchten Strom abführen. Dies entfällt nur, wenn Sie sich für die Kleinunternehmerregelung entscheiden und die Umsatzgrenze von 22.000 Euro jährlich nicht überschreiten. Wenn Sie der Umsatzsteuerpflicht unterliegen, müssen Sie für die Umsatzsteuererklärung auch den Eigenverbrauch mit 19 Prozent gegenüber dem Fiskus versteuern.

Entscheiden sich Anlagenbetreiber gegen eine Umsatzsteuerpflicht, können sie keinen Abzug der Vorsteuer bei der Anschaffung geltend machen. Eine Entscheidung für die Umsatzsteuererklärung und ein späterer Wechsel zur Kleinunternehmerregelung ist durch die Angabe der Vorsteuer gegenüber dem Finanzamt finanziell häufig die bessere Lösung.

Weitere Steuern und Gebühren auf Eigenverbrauch?

Falls Sie Gewinne mit Ihrer PV-Anlage erzielen, muss womöglich Gewerbesteuer auf die Einnahmen abgeführt werden. Der Eigenverbrauch ist für die Gewerbesteuer aber nicht relevant, sondern lediglich erwirtschaftete Einkünfte werden herangezogen. Zusätzliche Kosten konnten für den Eigenverbrauch in der Vergangenheit durch die EEG-Umlage hinzukommen. Durch neue gesetzliche Regelungen fällt die Umlage jedoch für alle Haushalte weg, sodass der Eigenverbrauch noch günstiger wird.

Wie lässt sich der Eigenverbrauch für eine Solaranlage berechnen?

Damit Sie eine informierte Entscheidung treffen können, ob sich die Installation einer Solaranlage finanziell lohnt, sollten Sie im Voraus den Eigenverbrauch Ihres Haushaltes berechnen. Für den eigenen Strombedarf sollten Sie dafür den Stromzähler ablesen. Auch vergangene Rechnungen vom Energieversorger eignen sich, um die Strommenge herauszufinden. Beachten Sie dabei, dass der Strombedarf im Winter oder am Abend nicht durch eine Photovoltaikanlage ohne Speicher gedeckt werden kann.

Nachdem Sie den Eigenverbrauch errechnet haben, ist daraus die passende Größe der Solaranlage abzuleiten. Dazu müssen Sie sowohl den jährlichen Strombedarf als auch den Standort der Solarmodule beachten, um die passende Leistung in Kilowatt-Peak (kWp) zu berechnen. Außerdem spielt eine Rolle, ob Sie überschüssigen Strom an die Netzbetreiber verkaufen möchten.

Wenn Sie bereits eine Solaranlage auf dem Dach installiert haben, lässt sich der Eigenverbrauch ermitteln, indem Sie am Einspeisezähler den eingespeisten Strom ablesen. Diese Strommenge ziehen Sie vom Gesamtverbrauch der PV-Anlage ab und erhalten nun den Eigenverbrauchsanteil. Alternativ können Sie auch den Eigenverbrauchszähler ablesen, der meistens hinter dem Wechselrichter zu finden ist. Allerdings ist ein Eigenverbrauchszähler bei kleineren Solaranlagen für Privathaushalte selten verbaut.

Vollständige Autarkie durch PV-Anlage unrealistisch

Trotz der großen Vorteile von Photovoltaikanlagen ist eine vollständige Autarkie durch den Solarstrom vom Dach unrealistisch. Selbst wenn der eigene Strombedarf im Haushalt von Frühling bis Herbst durch Photovoltaik und Stromspeicher komplett gedeckt werden kann, liefern die Solarmodule im Winter nicht genügend Energie. Dadurch müssen Sie für Wärmepumpe oder E-Auto auf jeden Fall auf den Strombezug von Netzbetreibern zurückgreifen und die hohen Strompreise bezahlen. Dennoch lässt sich durch Solarstrom für viele Haushalte in Deutschland ein hoher Autarkiegrad erreichen und die Einspeisung von Strom hilft bei der Balance der Netze.

Fazit

Mit einem hohen Eigenverbrauch wird der Betrieb der eigenen PV-Anlage deutlich rentabler. In Kombination mit einem Speicher ist eine Eigenverbrauchsquote von bis zu 80 Prozent für Privathaushalte möglich. Für einen hohen Eigenverbrauch kann auch eine Investition in Wärmepumpe oder E-Auto sinnvoll sein.

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