Passivhaus: Trend und Zukunft

Passivhaus: Trend und Zukunft

Ob Energiesparen oder Wirtschaftlichkeit – in den vergangenen Jahren hat jeder Verbraucher diese beiden oder ähnliche Begriffe mit Sicherheit mehrfach gehört. Mit der Zunahme der Weltbevölkerung und einem steigenden Lebensstandard müssen Menschen mehr und mehr Rücksicht auf ihre Umwelt nehmen. Bisher konnte man den Traum vom Eigenheim ohne große Planung und ohne Berücksichtigung strenger Regeln realisieren. In Deutschland ist das nicht mehr möglich, Neubauten müssen viele Richtlinien befolgen, die in der Energiesparverordnung EnEV geregelt sind. Das Passivhaus, das bis vor Kurzem hauptsächlich ein Trend war, ist nun Realität und Zukunft zu gleich geworden. Es ist im Grunde ein modernes Haus, das dank seiner Bauweise und Technologie wenig Energie verbraucht – zum Vorteil der Bewohner und Umwelt.

Zero:e park: Europas größte Null-Emissionssiedlung

In Hannover-Wettbergen entsteht aktuell mit etwa 300 Eigenheimen Deutschlands und Europas größte Passivhaus-Bausiedlung. Wie www.cal-classic-haus.de informiert, ist es Ziel des Projektes, konkurrenzfähige Wohnangebote für Einfamilienhäuser zu gestalten – all das mit möglichst geringen, CO2-neutralen Nebenkosten. Der benötigte Haushaltsstrom soll über eine derzeit inaktive Wasserkraftanlage, die wieder aktiviert werden soll, bezogen werden. Neben der CO2-Neutralität soll das Baugebiet mithilfe von großen Grünflächen und einem vorbildlichen Wasserkonzept eine hohe Lebensqualität sichern.

Was ist das Passivhaus?

Das Passivhaus ist mehr als nur ein Eigenheim, es ist ein Gebäudestandard, der energieeffizient, wirtschaftlich und umweltfreundlich zugleich ist, ohne dass die Bewohner des Hauses auf Komfort verzichten müssen. Leider ist das Passivhaus kein Markenname, sondern lediglich ein Baukonzept, welches jeder nutzen kann. So kann es durchaus vorkommen, dass Unternehmen mit Passivhäusern werben, die dem Konzept nicht wirklich treu werden.

Die Vorteile eines Passivhauses im Überblick:

  • Passivhäuser verbrauchen bis zu 90 Prozent weniger Heizwärme als herkömmliche Gebäude.
  • Im Vergleich zu Neubauten lassen sich bis zu 75 Prozent Heizwärme einsparen.
  • Der Heizenergieverbrauch beträgt nur 1,5 l-Heizölgleichwert je Quadratmeter Wohnfläche – ein Vielfaches weniger als der Wert eines Niedrigenergiehauses.
  • Die Gebäudehülle ist besonders wirksam und hält die Wärme im Haus.
  • Es nutzt vorhandene Energiequellen wie einfallende Sonnenwärme und Körperwärme von Personen.
  • Eine moderne Lüftungsanlage sorgt für gleichbleibend frische Luft

Qualitätsanforderungen an das Passivhaus

Passivhäuser müssen im Grunde drei Anforderungen erfüllen:

  1. Ein behagliches Innenklima ohne separate Klimaanlage und Heizsystem kreieren: Der Jahresheizwärmebedarf darf maximal 15 kWh/(m²a) betragen.
  2. Behaglichkeitskriterien müssen im ganzen Haus zu jeder Jahreszeit erfüllt werden. Hier ergeben sich folgende Anforderungen:
    • Opake Außenbauteile müssen U-Werte kleiner als 0,15 W/(m²K) besitzen.
    • Die Werte von Fenstern und anderen durchsichtigen Bauteilen müssen weniger als 0,8 W/(m²K) betragen.
    • Im Raum darf die Zulufttemperatur am Luftauslass nicht unter 17 °C liegen. Gleichzeitig muss die Lufthygiene nach DIN 1946 erfüllt werden. Die Schallbelastung der Lüftungsanlage darf den Wert von 25 dBa nicht überschreiten.
    • In jedem Wohnraum muss eine zu öffnende Außenluftöffnung existieren. Zudem muss durch die Wohnung eine Durchströmung mit Außenluft erfolgen.
    • Transluzente Flächen im Westen und Osten (±50°) sowie alle Flächen mit einer Neigung von weniger als 75° müssen unter Umständen einen temporären Sonnenschutz besitzen.
  3. Der Primärenergieeinsatz für den Haushalt darf zusammengerechnet nach Passivhaus Projektierungs-Paket (PHPP) nicht höher als 120 kWh/(m²a) sein.

Massivbau oder Holzhaus?

Eines vorweg: Jede Bauart hat Vorteile und Nachteile. Grundsätzlich gehört Holz aber zu dem umweltfreundlicheren Baustoffen, dafür sind Passivhäuser aus Holz etwas teurer als ihre massive Variante. Einer Studie des ILS NRW zufolge zahlen Interessierte 30 Euro mehr je Quadratmeter Wohnfläche. Nachfolgend die Vor- und Nachteile beider Varianten im Überblick:

Passivhaus aus Holz Vorteile:

  • kurze Bauzeit (durch vorgefertigte Teile)
  • Fugen lassen sich gut dämmen
  • große gestalterische Freiheit
  • mehr oder weniger witterungsunabhängig
  • Verwendung eines nachwachsenden Rohstoffes
  • sehr gut realisierbare Luftdichtigkeit
  • gute Öko-Bilanz

Passivhaus aus Holz Nachteile:

  • vergleichsweise schlechter Schall- und Brandschutz (produktionsabhängig)
  • notwendiger Einbau einer Dampfsperre
  • anfälliger gegen Schädlingsbefall (Pilze, Insekten)

Passivhaus massiv Vorteile:

  • relativ einfach zu erreichende Luftdichtheit
  • Belastbarkeit und Stabilität
  • vergleichsweise guter Schall- und Brandschutz

Passivhaus massiv Nachteile:

  • hoher Primärenergiebedarf zur Herstellung
  • vergleichsweise hoher Arbeitsaufwand auf der Baustelle

Energieeinsparungen und Kosten

Bauherren, die sich für einen Neubau entscheiden, stehen vor der Wahl zwischen dem Passivhaus-Standard und vielen weiteren Alternativen. Die nachfolgende Tabelle (Quelle der Daten) soll verdeutlichen, wie viel man bei der Wahl eines Passivhauses sparen kann beziehungsweise wie günstig die Lebenskosten sind.

Bau-Standard kWh pro m² Wohnfläche Liter-Heizöl pro m² Wohnfläche Energiebedarf: m³-Gas für 100 m² Wohnfläche Energiekosten für 100 m² Wohnfläche
Passivhaus 15 kWh 1,5 l 150 m³ 161 Euro
Energiesparhaus KfW 40 40 kWh 4 l 400 m³ 343 Euro
Energiesparhaus KfW 60 60 kWh 6 l 60 m³ 471 Euro
Niedrigenergiehaus 70 – 100 kWh 7 – 10 l 700 – 1.000 m³ 536 – 716 Euro
Gebäude aus 1980er Jahre 150 – 200 kWh 15 – 20 l 1.500 – 2.000 m³ 996 – 1.276 Euro
Gebäude aus 1960er Jahre 200 – 300 kWh 20 – 30 l 2.000 – 3.000 m³ 1.276 – 1.817 Euro

Passivhaus-Förderung durch Bund, Länder und Kommunen

Passivhäuser sind die Zukunft und werden mittlerweile großzügig gefördert. Interessierte können von bundesweiten, kommunalen und länderspezifischen Förderungen profitieren.

Eine große Rolle bei der bundesweiten Förderung spielt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) die Interessierten zinsgünstige Darlehen bietet. Energieeffiziente Neubauten werden mit bis zu 50.000 Euro gefördert, für Sanierungen gibt es maximal 75.000 Euro. Häuslebauer und Sanierer müssen den Antrag bei ihrer Hausbank stellen.

Eine Übersicht zu aktuellen Förderungen gibt es in der Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie. Für Förderungen der Kommunen und Länder sollten Interessierte beim zuständigen Amt vor Ort nachfragen.

Warum Passivhäuser die besseren Energiesparhäuser sind

Abschließend muss nur noch die Frage geklärt werden, warum Passivhäuser die besseren Energiesparhäuser sind. Grundsätzlich ist zu erwarten, dass der Zukunftstrend zu einem reduzierten Energieverbrauch geht. Zwar müssen Häuslebauer, die sich heute für ein Passivhaus entscheiden, mehr investieren, auf lange Sicht wird sich die Investition aber lösen. Einerseits stehen in zahlreiche Fördermaßnahmen zur Verfügung, andererseits ist ihr Energieverbrauch um ein Vielfaches niedriger, als bei einem konventionellen Haus. Angesichts steigender Energiekosten ist gerade dieser geringe Energieverbrauch so attraktiv. Steigende Kosten für Strom und Wärme wird Besitzer eines Passivhauses weniger stark belasten.

Artikelbild: © pixinoo / Shutterstock

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