Richtig Lüften im Winter – so gelingt es!

Richtig Lüften im Winter – so gelingt es!

Wenn es draußen kalt ist, soll es in Wohnung und Haus gemütlich warm sein. Dennoch ist es auch in der kalten Jahreszeit wichtig, bei kalter Außenluft zu lüften. Dabei kommt es auf das richtige Vorgehen an, um einen optimalen Luftaustausch zu erreichen, nur einen geringen Wärmeverlust zu haben, keine Heizkosten zu verschwenden und Schimmel zu vermeiden. Wie das gelingt, erklären die folgenden Zeilen.

Falsches Lüften verursacht Schimmel

Innenraumluft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen, je höher sie liegt. Die meisten Menschen glauben, dass die Raumluft im Winter durch das Heizen trockener ist. Doch das ist falsch. Im Gegenteil. Die Feuchtigkeit kann durch warme Luft besser aufgenommen werden und macht diese deutlich nasser.

Ist die Luftfeuchtigkeit jedoch zu hoch und kann diese nicht entweichen, setzt sich die Nässe ab. In kalten Bereichen kondensiert das Wasser, trocknet nicht und bleibt haften. Solche Stellen sind der ideale Nährboden für Schimmelsporen – die eine Gefahr für die Gesundheit bedeuten. Wer falsch lüftet, kann diese Entwicklung begünstigen.

Draußen kalt, innen warm – die Herausforderung des Winters

Während im Sommer die Luft meist schwülwarm und feucht ist, bringt der Winter kalte und trockene Außenluft. In der Wohnung herrscht jedoch meist eine stickige Heizungsluft, mögen wir es doch gemütlich warm in den eigenen vier Wänden in den Wintermonaten.

Daher wird geraten, Türen und Fenster tagsüber und nachts geschlossen zu halten, damit die Heizenergie nicht verschenkt wird. Doch dadurch sammelt sich vermehrt Luftfeuchtigkeit in den Wohnräumen an: Durch Duschen, Kochen und selbst das Atmen vermehrt sich Wasserdampf in der Luft und kann ohne geöffnete Fenster und Türen nicht entweichen. Eine zu hohe Luftfeuchtigkeit kann jedoch zu Schimmelbildung führen und die Luftqualität mindern.

Beschlagene Fenster sind ein Anzeichen für eine zu hohe Luftfeuchtigkeit im Raum. Wenn die Außentemperatur kalt ist, ist die Temperatur am Fenster meist ebenfalls niedriger – und die Fenster beschlagen. Hier bildet sich Kondenswasser, wenn die Luftfeuchtigkeit im Raum zu groß ist. Schimmel kann die Folge sein.

Deswegen ist Lüften ebenso wichtig, wenn es draußen kalt. Die Herausforderung hierbei ist es, einen effektiven Luftaustausch zu gewährleisten, ohne dass die Zimmertemperatur zu stark herabsinkt sowie die Wohnräume auskühlen und die Heizkörper danach wieder auf Hochtouren laufen müssen.

So geht effektives Lüften in der kalten Jahreszeit

Das richtige Lüftungsverhalten im Winter ist kurz und effektiv. Stoßlüften ist hier angesagt. Bei weit geöffneten Fenstern kann der Luftaustausch schon innerhalb von drei bis fünf Minuten geschehen. Experten empfehlen dies dreimal am Tag zu tun. Ist tagsüber niemand zu Hause, reicht das Lüften auch morgens und abends.

Fenster in Kippstellung sind keine Option für ein effektives Lüften im Winter. Der Luftaustausch braucht hier viel zu lange und der Raum kühlt allmählich aus! Stoßlüften hingegen kann auch die Energiekosten niedrig halten, denn je höher die Luftfeuchtigkeit im Raum ist, desto mehr Heizenergie wird benötigt, um die Temperatur zu halten. Im Vergleich von einer Luftfeuchtigkeit von 45 Prozent zu 70 Prozent können das 26 Prozent mehr Heizkosten bedeuten!

Generell empfehlen Experten folgende Lüftungsdauer für die unterschiedlichen Monate:

MonatLüftungsdauer
Dezember, Januar und FebruarRund fünf Minuten
MärzRund zehn Minuten
AprilRund 15 Minuten
MaiRund 20 Minuten
Juni, Juli und AugustRund 25 Minuten
SeptemberRund 15 Minuten
OktoberRund 20 Minuten
NovemberRund 10 Minuten

Zudem gibt es einige Tricks, die das Lüften im Winter noch effektiver gestalten, sowie Besonderheiten; die ebenso beachtet werden sollten!

Tipp 1: Querlüften ist am effektivsten

Erfolgreicher gelingt Lüften, wenn Sie nicht nur Stoßlüften, sondern Querlüften. Das bedeutet, dass gegenüberliegende Fenster und Türen gleichzeitig weit geöffnet werden. Dadurch wird ein Luftzug erzeugt, der den Luftaustausch beschleunigt. Querlüften kann also den Wärmeverlust der Innenluft in der kalten Jahreszeit effektiv entgegenwirken.

Jedoch sollten Sie nie direkt nach dem Kochen oder Duschen querlüften. Denn dadurch verteilen sich Feuchtigkeit und Gerüche nur in allen anderen Räumen.

Tipp 2: Weniger Lüftungsdurchgänge im Altbau

Altbauten sind der Erfahrung nach schlechter isoliert. Hier dringt Wärme automatisch nach außen. Generell fallen die Heizkosten in Altbauten deswegen höher aus und ein ungewollter Luftaustausch findet bereits statt. Daher reicht im Winter das Lüften hier zweimal täglich für rund Minuten.

Tipp 3: Gekippte Fenster begünstigen Kondenswasser

Fenster in Kippstellung sind im Winter keine gute Idee. Statt der Feuchtigkeit gelangt durch diese nur die Heizwärme nach außen. Ein weiterer Nebeneffekt ist das starke Auskühlen der Bereiche um die Fenster, was die Bildung von Kondenswasser und damit Schimmelpilze begünstigt. Auch die Außenwände können abkühlen, was Schäden an der Bausubstanz zur Folge haben kann.

Tipp 4: Restfeuchte unbedingt entfernen

Stellen Sie Feuchtigkeit auf Fliesen, an Fensterscheiben oder auf anderen Oberflächen fest, so sollten Sie dieses beseitigen. Denn sonst kann die überflüssige Feuchtigkeit im Raum trotz Lüften zurückbleiben und weiter ein Nährboden für Schimmel sein!

Besonderheit verschiedener Räume – das Lüften vom Keller bis zum Dach

Jeder Raum wird in der Wohnung oder Haus unterschiedlich genutzt. In Küche und Bad beispielsweise herrscht eine deutlich höhere Luftfeuchtigkeit in der Innenluft durch Kochen, Duschen oder das Trocknen von Wäsche. Schlafzimmer werden nicht immer kuschelig warm aufgeheizt und Kellerräume werden nur selten genutzt. Daher bietet sich ein individuelles Lüftungsverhalten für die verschiedenen Räume an!

Küche und Bad

In diesen Räumen ist die warme Feuchtigkeit besonders hoch. Daher ist hier das Öffnen der Fenster ein Muss – vor allem nach dem Baden, Duschen und Kochen. Rund 10 Minuten sollten Sie die Fenster aufreißen. Stoßlüften ist hier besser als Querlüften – denn die hohe Feuchtigkeit (und auch unangenehme Gerüche) verteilen sich sonst auch in anderen Räumen. Halten Sie daher Türen zu anderen Zimmern geschlossen.

Verzichten Sie auf Vorhänge im Bad, die Feuchtigkeit aufnehmen. Diese könnten kontraproduktiv sein. Auch sollte angesetztes Wasser an Wand und auf dem Boden weggewischt werden!

Schlafzimmer

Das Schlafzimmer wird kaum genutzt, kühl gehalten und deswegen muss man dort nicht lüften? Das ist ein Irrtum. Denn wir verbringen die gesamte Nacht im Schlafzimmer und bringen durch Atem und Schweiß Feuchtigkeit in die Luft. Wird das Zimmer zudem nicht beheizt, kann sich die Luftfeuchtigkeit an den kalten Wänden absetzen – das wiederum ist der perfekte Nährboden für Schimmel. Deswegen ist das Lüften im Schlafzimmer besonders wichtig – am besten morgens nach dem Aufstehen und abends vor dem Schlafengehen!

Keller und Souterrain

Der Keller ist meist der kühlste Raum im Haus – hier liegt die optimale Raumtemperatur bei 10 bis 15 Grad und die Luftfeuchtigkeit bei 50 bis 65 Prozent. Dennoch können auch Kellerräume eine richtige Lüftung vertragen – vor allem, wenn sie als Wasch- und Trockenraum genutzt werden. Denn dann sind die Räume ebenfalls sehr feucht und auch hier muss Schimmel vermieden werden.

Wohnräume im Souterrain ähneln im Klima dem Keller. Werden diese Zimmer im Untergeschoss als Wohnraum genutzt, müssen sie im Winter beheizt werden – meist verstärkt. Daher wird geraten, diese Räume in den Wintermonaten nur maximal zweimal am Tag zu lüften.

Auch Räume, die wenig genutzt werden, wie beispielsweise Abstellkammern, sollten regelmäßig gelüftet werden. Denn auch in sie dringt Feuchtigkeit aus anderen Räumen ein. Zudem werden solche Zimmer wenig geheizt und die kühle Luft kann die Feuchtigkeit schlechter aufnehmen.

Dachgeschoss

In den Räumen unter dem Dach herrscht meist automatisch ein leichter Durchzug. Ist es draußen kalt, kann das Heizen in schlecht gedämmten Dachgeschosswohnungen sogar schwierig werden. Daher sollte das Lüften für solche Räume reduziert werden, aber nicht vollends unterlassen werden.

Bei gut gedämmten Dachgeschossen hingegen gilt das Gegenteil. Denn hier kann sich die Wärme stauen und an den Dachfenstern gern das Kondenswasser absetzen. Hier gilt: Heizung drosseln, tendenziell länger lüften und das Kondenswasser regelmäßig wegwischen!

Lüften im Neubau

Neue Wohnungen und Häuser sind meist besonders gut isoliert. Hier geschieht kein automatischer Lüftungsaustausch und die Luftfeuchtigkeit ist oft höher als in Altbauten. Daher müssen diese Räume besonders gut gelüftet werden. Nach Sanierungen können auch chemische Substanzen der Baumaterialien noch freigesetzt werden – achten Sie hier auf regelmäßiges Lüften, besonders im Winter.

Wissenswertes: Diese Luftfeuchtigkeit sollte in den Räumen herrschen

Generell besitzt ein optimales Raumklima eine Raumtemperatur von 20 Grad und eine Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent. Wer dies kontrollieren möchte, sollten sich ein Hygrometer anschaffen. Dieses zeigt sowohl Temperatur als auch Feuchtigkeit der Luft an. Das Hygrometer sollte keine Feuchtigkeit unter 40 Prozent anzeigen – das kann die Schleimhäute reizen. Ist die Luftfeuchtigkeit über 60 Prozent, wird Schimmelbildung extrem begünstigt.

Lüftungsanlage für mehrfach verglaste Fenster

In Neubauten sind auch die Fenster energieeffizienter gestaltet. Meist haben sie eine Zweifach- oder Dreifachverglasung. Diese vermehrten Dichtungen verhindern zwar, dass warme Heizungsluft nach außen entweichen kann, aber auch der Austausch der Luftfeuchtigkeit wird gestoppt. Daher ist Lüftung bei solchen Fenstern besonders wichtig.

Experten raten hier sogar zu einer Lüftungsanlage, die feuchte, verbrauchte Luft automatisch gegen frische Luft austauscht – optimal ist diese mit einer automatischen Wärmerückgewinnung ausgestattet. Bei mehr als ein Drittel erneuerter Fenster oder mehr als ein Drittel neu abgedichteter Dachfläche wird sogar ein Lüftungskonzept nach der DIN-Norm 1946-6 rechtlich vorgeschrieben.

Lüftungsanlagen können zwischen 2.000 Euro und 15.000 Euro kosten. Bauherren können hier jedoch Förderungen in Anspruch nehmen – beispielsweise durch die KfW-Bank im Rahmen des Programms „energieeffizient Sanieren“.

Zusammenfassung

Winterluft ist außen kalt und innen aufgeheizt. Das begünstigt schnell eine zu hohe Luftfeuchtigkeit in Innenräumen, weswegen Lüften auch einer kalten Außentemperatur wichtig ist. Zwei- bis dreimal am Tag Stoßlüften für etwa fünf Minuten wird daher empfohlen.

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