Roundup – umstrittener Unkrautvernichter

Roundup – umstrittener Unkrautvernichter

Über eine Million Tonnen werden pro Jahr weltweit von ihm verkauft (Stand 2010) – rund zwei Millionen US-Dollar bringt das Mittel jährlich an Umsatz ein. Doch gleichzeitig ist es der meist verkaufte Unkrautvernichter auch der umstrittenste. Das mit dem Handelsnamen „Roundup“ von der Firma „Monsanto“ bekannte Produkt wird sowohl in der industriellen Landwirtschaft, aber auch im heimischen Garten angewandt, um unliebsamen Wuchs zwischen Beet, Rasen und Co zu vernichten. 5.359 Tonnen Glyphosat werden laut Bundesregierung (Stand 2011) jährlich in Landwirtschaft und Kleingärten in Deutschland eingesetzt. Während der Hersteller immer wieder auf die Unbedenklichkeit für Mensch und Umwelt verweist, kommen neue Studien heraus, die zahlreiche Risiken und Schädigungen aufweisen. Gegen das Mittel wurde sogar bereits eine Online-Petition gestartet. Im nächsten Jahr steht nun eine Neubewertung seitens der EU an.

Roundup – Die Geschichte

„Roundup“ ist der führende Unkrautvernichter des amerikanischen Agrarkonzerns „Monsanto“. Es wurde 1970 patentiert und wird seit 1974 in der Landwirtschaft eingesetzt. In über 130 Länder wird das Totalherbizid vertrieben. In Europa wurde es 2002 zugelassen. Der Hauptstoff Glyphosat blockiert in den Unkrautpflanzen ein wichtiges Enzym und lässt sie so verdorren. Tiere und Menschen würden keine Auswirkungen davon haben, war die Annahme zur Markteinführung. „Monsanto“ warb jahrelang sogar mit dem Slogan „biologisch abbaubar“. Doch das wurde nach und nach immer mehr verboten, angefangen mit einer Klage des Staates New York im Jahre 1996, der der Generalstaatsanwalt nachgab.

Auch in Frankreich verlor „Monsanto“ solch einen Rechtsstreit, hier wurde von „Etikettenschwindel“ gesprochen. Gleichzeitig vertreibt das Unternehmen gentechnisch verändertes Saatgut für Mais, Soja, Baumwolle und Raps. Diese sind resistent gegen Glyphosat. Darauf erhebt der Konzern ein Monopol und verklagt Bauern, die das Saatgut nutzen. In Deutschland sind einzelne Roundup-Produkte neben der Landwirtschaft auf für den Kleingartenbereich zugelassen.

Zahlreiche Gärtner hierzulande können den Unkrautvernichter nutzen. Jedoch darf es nur auf Freilandflächen angewandt werden – die Verwendung auf versiegelten Flächen muss genehmigt werden und wird ohne diese mit hohen Geldbußen geahndet. Verboten ist der Einsatz auf Flächen in der Nähe von oberirdischen Gewässern und Küstengewässern.

Umstrittene Studien und Reaktionen

Der Hersteller des Produktes verspricht, dass Roundup unbedenklich für Mensch und Tier sei. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Braunschweig hat das Herbizid zugelassen. Zeigten Studien der neunziger Jahre noch keine bedenklichen Ergebnisse, mehren sich seit 2005 die Stimmen und Studien, dass das Mittel keineswegs so unbedenklich sei, wie anfangs angenommen. Ein nicht unerheblicher Teil des Herbizids lande nicht in der Pflanze, sondern in Böden und Gewässer. Der Boden wird geschwächt und verkommt zur Monokultur – hier könne kaum etwas anderes noch wachsen, als glyphosatresistente Pflanzen.

Auch seien bereits Auswirkungen auf Insekten, Fische und Amphibien vor Zulassung in Deutschland bekannt gewesen. Wissenschaftler behaupten daher, dass Roundup das Artensterben begünstige. Problematisch sei zudem auch die Resistenz-Entwicklung – immer mehr Unkräuter widerstehen dem Einsatz von Glyphosat. Eine Studie sorgte für besonders große Aufregung: Französische Forscher der Universität Caen untersuchten Roundup in Langzeitfütterung an Ratten. Ergebnis: Die Ratten entwickelten Krebs, Leber- und Nierenschäden. Bilder von großen Tumoren gingen durch die Medien. Die Studie blieb nicht umstritten, zahlreiche Wissenschaftler warfen der Studie Unzulänglichkeiten der Versuchsanordnung vor – die Fachzeitschrift, in der sie veröffentlicht wurde, zog sie ein Jahr später zurück.

In Argentinien werden Verbindung zwischen dem Einsatz von Glyphosat und Fehlgeburten sowie Missbildungen gezogen. In Berlin wurden Rückstände im Urin der Menschen gefunden und in einer amerikanischen Studie von „Moms Across America“ und Sustainable Pulse“ wurde im April 2014 das Herbizid in Muttermilch nachgewiesen. Hier gehen die Mütter wortwörtlich auf die Barrikaden – die Vereinigung organisiert Protestmärsche.

Onlinepetition und Neubewertung

Auch Organisationen in Deutschland sprechen sich gegen das Herbizid aus, so unter anderem der Naturschutzbund und das Umweltinstitut München. In einer Onlinepetition der Vereine „Umweltinstitut München e.V.“ und „Rettet den Regenwald e.V.“ unterschrieben über 200.000 Deutsche für das Verbot von Glyphosat, dem Wirkstoff in Roundup. Die Unterschriften wurden am 14. Januar 2014 Staatssekretär Dr. Robert Kloos vom Bundeslandwirtschaftsministerium übergeben. Da das Patent der Firma „Monsanto“ bereits abgelaufen ist, folgten Roundup zahlreiche weitere Mittel. In Deutschland sind derzeit 70 glyphosathaltige Produkte, davon 41 für Haus- und Kleingärten erhältlich.

Die Zulassungsbehörden sehen keinen Anlass, das Mittel zu beschränken. Nach einer Neubewertung zahlreicher Studien entschied das Bundesinstitut für Risikobewertung, dass die französische Studie unzureichend belegt sei, andere enthielten keine Neuigkeiten oder methodische Mängel. Somit gäbe es keine keinerlei gesundheitliche Bedenken – diese Einschätzung wurde an die Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) weitergeleitet. Eine Neubewertung seitens der Europäischen Kommission wurde von 2012 auf 2015 verschoben. Hier geht es um weitere zehn Jahre der Zulassung. Im kommenden Jahr wird also neu entscheiden, ob das Mittel weiter zulässig bleibt. Die Organisatoren der Onlinepetition hoffen, mit ihrer Unterschriftensammlung das verhindern zu können.

Artikelbild: © vvoe / Shutterstock

 

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