Tabakpflanze (Nicotiana) – Samen, Anbau und Ertrag

Tabakpflanze (Nicotiana) – Samen, Anbau und Ertrag

Tabak ist eine einjährige Pflanzengattung, die der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) angehört. Ein Großteil der Arten erzeugt Nikotin oder Alkaloide in den Wurzeln, welche in den Blättern eingelagert werden. Dieser natürliche Schutzmechanismus soll in erster Linie zur Abwehr von Fraßfeinden dienen. Aus den mit Nikotin gefüllten Blättern stellt man allerdings auch Zigaretten her.

Beschreibung

Obwohl die Tabakpflanze in subtropischen Gebieten zu Hause ist und folglich viel Feuchtigkeit und Wärme benötigt, um zu wachsen, hat sie sich im Laufe der Jahrhunderte an die klimatischen Verhältnisse in unseren Breitengraden angepasst.

Die wichtigste Eigenschaft der Tabakpflanzen sind die Inhaltsstoffe. In 54 aus 64 Arten ist Nikotin am stärksten vertreten. Der Anteil des Nikotins in den Wurzeln der Arten Nicotiana tabacum und Nicotiana rustica beträgt 97 Prozent. Über das Hauptwasserleitgewebe, Xylem genannt, wird das Nikotin in andere Teile der Pflanze transportiert, unter anderem in die Blätter, Blüten und Stängel. Sobald die unbehandelten Blätter getrocknet werden, liegt der Nikotinanteil bei Nicotiana tabacum meist nur noch bei 0,5 bis zehn Prozent. Bei Nicotiana rustica kann der Tabakanteil bis zu 18 Prozent betragen. Die anderen Nicotiana-Arten haben weitaus geringere Nikotinanteile in den Wurzeln und Blättern.

Abwehrmechanismus

Wilder Tabak ist eine der erstaunlichsten Pflanzen der Welt. Kurz nach ihrer Geburt sind sie ein willkommenes Fressen für die Raupen des Tabakschwärmers, die sich über ihre Leibspeise hermachen. Das in den Blättern enthaltene Nikotin macht den Raupen nichts aus, da sie dagegen immun sind. Wie der Forsche vom Max-Planck-Institut für chemische Ökologie in Jena Prof. Ian Baldwin erkannt hat, servieren die Pflanzen den Raupen dennoch eine teuflische Kost.

Wie ein Artikel von Baldwin, der 2010 in dem Fachmagazin »Science« veröffentlicht wurde, erklärt, hat die wilde Tabakpflanze (Nicotiana attenuata) ein raffiniertes Verteidigungssystem: Sobald die Raupen des Tabakschwärmers die Blätter der Tabakpflanze zu fressen beginnen, emittieren sie ein verdauungsförderndes Sekret, welches sich in ihrem Speichel befindet, und sie in die Blätter abgeben. Dieses Sekret registriert die Pflanze innerhalb von 24 Stunden und wandelt es in einen neuen Duftstoff um, den sie über die Luft abgibt. Der als (E)–2-Hexenal bezeichnete Molekülkomplex zieht wiederum insektenfressende Raubwanzen und Schlupfwespen, die die Raupenbabys inklusive ihrer Mutter vertilgen.

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Tabaksorten

Eine Reihe von Hobbygärtnern, die nebenbei auch Raucher sind, möchte Tabak selbst anbauen. Tabak ist aber nicht gleich Tabak, denn es gibt viele verschiedene Sorten. Welche man letztendlich anbaut, hängt vom eigenen Geschmack an.

Zu den klassischen Pfeifen- und Zigarettensorten gehören Virginia, Burley sowie Geudertheimer. Liebhaber von Zigarren sind mit dunklen Sorten Geudertheimer, Havanna Z992 sowie Korso bestens beraten. Statistiken zeigen, dass die meisten Zigaretten- und Pfeifenraucher Virginia zu 50 Prozent, Burley zu 30 Prozent und Geudertheimer sowie Orient zu jeweils zehn Prozent anbauen. Je leichter der Tabak am Ende sein soll, desto höher sollte der Anteil von Virginia sein. Wer dagegen einen würzigen Geschmack bevorzugt, legt seinen Fokus auf Burley.

Ein Überblick über die verschiedenen Sorten:

  • Virginia: Ein Tabak mit geringem Eigengeschmack sowie einem niedrigen bis mittleren Nikotingehalt. Seine Resistenz in der Wachstumsphase macht ihm zu einer guten Wahl für Einsteiger.
  • Burley: Auch diese Sorte besitzt einen mittleren Nikotingehalt. Ihr aromatischer Geschmack ist ideal, um Burley mit anderen Sorten zu mischen.
  • Orienttabake: Es gibt zahlreiche Sorten wie Xanthi und Samsoun zum Beispiel, die im Geschmack kräftig sind. Aufgrund ihres hohen Zuckergehalts werden sie genutzt, um Mischungen mit Virginia oder Burley zu harmonisieren.
  • Würztabake: Wie der Name bereits sagt, sollen Würztabake wie Maryland oder Kentucky der Mischung einen würzigen Beigeschmack verleihen.
  • Zigarrentabake: Havanna Z992 und Geudertheimer sind klassische Zigarrentabake, die einen kräftigen Eigengeschmack besitzen. Einige Sorten können ungemischt verwendet werden.

Grundsätzlich gibt es kein ideales Rezept für die Mischung von Tabak, da es sich um eine Geschmacksfrage handelt. Generell wird Einsteigern aber empfohlen, mit einer amerikanischen Mischung zu starten:

  • ein Drittel Burkley
  • zwei Drittel Virginia

Den individuellen Geschmack kann man dann mit Orient- oder Zigarrensorten anpassen.

Boden

Wer hierzulande Tabakpflanzen in seinem Garten aufziehen möchte, sollte wissen, dass der Boden eine ausgeglichene Nährstoffbilanz haben muss. Was Tabakpflanzen nicht mögen:

  • zu viel Chlor
  • Mangel an Stickstoff und Phosphat

Sollte der Boden diese Kriterien nicht erfüllen, können Hobbygärtner diesen mit Nährstoff-Zusammensetzungen optimieren. Besonders gut sind Böden, auf denen zuvor Getreide oder Mais angebaut wurden – das wird jedoch ein Ausnahmefall sein. Damit sich die Tabakpflanze gut entwickeln kann, sollte der Boden locker sein. Optimal ist eine sandige Konsistenz, die geringe Anteile an Lehm aufweist.

Aussaat

Wer den Tabak im heimischen Garten pflanzen möchte, beginnt damit Ende März. In warmen Regionen, zu dem zum Beispiel das Badische Rheintal gehört, wird der Tradition zufolge am Josephstag gesät. Die Hobbygärtner in kälteren Regionen, zu denen die neuen Bundesländer gehören, müssen bis Mitte April warten. Zigarrentabake sind weniger anspruchsvoll und können durchaus bis Mai gesät werden. Beim Topfanbau spielt der Zeitpunkt der Aussaat keine Rolle.

Setzlinge

Die kleinen Tabaksamen werden auf feuchte, aber nicht nasse Ansatzerde gestreut und mit dem Finger leicht angedrückt. Bereits eine Woche Später sind kleine Keimlinge zu sehen, später die ersten Blattpaare. Nach zwei bis drei Wochen haben die Zöglinge eine Höhe von einem Zentimeter erreicht. Während dieser Wachstumsperiode muss die Erde weiterhin feucht gehalten werden. Die Zöglinge selbst dürfen nicht direktem Sonnenlicht ausgesetzt sein, da sie den Halbschatten bevorzugen.

Sobald die Zöglinge zwei Blattpaare besitzen oder mindestens einen Zentimeter groß sind, kann man sie in kleine Töpfe umpflanzen – diesen Vorgang nennt man auch pikieren. Das Pikieren ist aus dem Grund wichtig, weil sie ab dieser Wachstumsgröße chaotisch wachsen und sich später nicht mehr voneinander trennen lassen. Beim Pikieren nutzt man einen Teelöffel, um Erde rund um die Wurzel herauszulöffeln. Nach dem Umpflanzen müssen Hobbygärtner die Erde weiterhin feucht halten. Nach insgesamt sechs bis acht Wochen haben die Setzlinge eine Höhe von zehn Zentimetern erreicht und dürfen in den Garten.

Auspflanzen

Beim Umpflanzen in den Garten muss ein Abstand von etwa 40 Zentimetern zwischen den Pflanzen eingehalten werden. Zu Anfang sollten die kleinen Tabakpflanzen auch gut gegossen werden. Nun beginnt die wichtige Pflege: Hobbygärtner müssen ihren Tabak täglich kontrollieren, damit keine Schnecken sie befallen. Bis zur Ernte muss die Erde alle zwei Wochen gehackt und bis zum Stängel angehäufelt werden, damit der Boden durchlüftet bleibt.

Sobald sich die ersten Knospen bemerkbar machen, werden diese fünf bis zehn Zentimeter unterhalb des ersten Blütenansatzes abgetrennt. Die Blüten entziehen den Blättern wichtige Inhaltsstoffe.

Ernte

Zwei bis drei Monate, nachdem der Tabak ausgepflanzt wurde, schießen die Pflanzen innerhalb einiger Wochen rasant in die Höhe. Ab diesem Zeitpunkt müssen die Tabakpflanzen alle zwei Tage nach reifen Blättern untersucht werden. Die Reife ist an der hellen Verfärbung der Blätter, die von oben nach unten zu sehen ist, bemerkbar. Sind die Blätter reif, werden sie mit einer Drehbewegung weggebrochen. Die geernteten Blätter stapelt man und hängt sie zum Trocknen aus. Der Trockenvorgang dauert zwischen vier und sechs Wochen.

Zum Trocknen kann man bis zu 50 Blätter einzeln auf ein Garn schnüren. Mit einer dicken Nadel kann man die Mittelrippe des Blattstiels problemlos durchstechen. Das Bündel wird dann an eine luftige, feuchte Stelle aufgehängt. Optimal ist ein Ort, der zugig aber nicht zu hell ist – ein offenes Gartenhaus zum Beispiel.

Verarbeitung

Theoretisch kann man die zwei bis drei Monate lang getrockneten Blätter bereits verwenden. Noch enthalten sie aber zu viel Eiweiß, wodurch der Rauch der Zigarette scharf und kratzend werden würde. Deshalb muss man den Tabak soßieren, sprich mit einem zuckerhaltigen Sud einsprühen. Dann bleibt der Tabak mehrere Tage in einem offenen Gefäß liegen.

Eine Alternative und bessere Verarbeitungsmöglichkeit ist die Fermentierung, da die Qualität des Tabaks erhöht wird. Dazu muss man die Blätter an einem geschlossenen, feuchten, warmen Ort lagern. Man kann die Tabakblätter fest zusammenrollen und mit speziellem Tabakgarn verschnüren. Anschließend packt man das Bündel in einen Gefrierbeutel und legt diesen auf die Heizung. Die Fermentierung kann Wochen, Monate oder sogar Jahre dauern. Wochen dauert es aber nur bei subtropischen Verhältnissen. Auf einer laufenden Heizung ist die Fermentierung in ein bis zwei Monaten abgeschlossen. Wer den Tabak nur in ein warmes, trockenes Zimmer legt, muss unter Umständen ein Jahr oder länger warten. Wann der Tabak rauchbar ist, kann man anhand einer Rauchprobe ermitteln.

FAQ – Die häufigsten Fragen

Was ist eine Tabakpflanze und wie sieht sie aus?
Die Tabakpflanze zählt zu den Nachtschattengewächsen und ist den einjährigen Kräutern zuzuordnen. Ihre fünfblättrige Blüte ist ihr typischstes äußeres Erkennungsmerkmal.

Welche Inhaltsstoffe hat die Tabakpflanze?
In den Blättern der Tabakpflanze ist Nikotin enthalten.

Welche Bestandteile der Tabakpflanze werden geraucht?
Zur Herstellung von Tabak werden die Blätter der Pflanze benötigt.

Wann und wie werden die Blätter der Tabakpflanze geerntet?
Eine Tabakpflanze benötigt etwa sechs Monate zum Heranreifen. Es reifen zunächst zwei bis drei kleine Blätter im unteren Bereich. Sie werden als Grumpen bezeichnet und trocknen schon an der wachsenden Pflanze. Die nächsten drei bis vier Blätter sind die Sandblätter. Sobald diese Blätter nicht mehr sattgrün sind, sondern einen etwas helleren Farbton angenommen haben, gelten sie als erntereif für Zigarren. Um Tabak für Zigaretten herzustellen, wird erst geerntet, wenn auf den Blättern gelbliche Flecken zu finden sind. Nach dem Ernten der Sandblätter bilden sich weitere sechs bis acht Blätter, die man als Hauptgut bezeichnet. Sie dürfen ebenfalls geerntet werden, wenn sich gelbliche Ölflecken darauf bilden. Allerdings darf man immer nur zwei bis drei Blätter ernten, um die Pflanze nicht zu beschädigen.

Woher kommt die Tabakpflanze?
Die Tabakpflanze stammt ursprünglich aus Amerika.

Wer hat die Tabakpflanze entdeckt?
Entdeckt wurde die Tabakpflanze durch Christoph Columbus.

Wann und durch wen kam die Tabakpflanze nach Europa?
Nachdem Christoph Kolumbus die Tabakpflanze im Jahre 1492 entdeckte, brachte er sie mit nach Europa.

Wann blühen Tabakpflanzen und wie sehen die Blüten aus?
Die Tabakpflanze blüht von Juni bis September. Die Blüten haben die Form von vielblütigen Dolden. Sie öffnen sich meist nur abends und schließen sich bei Sonnenlicht wieder. Je nach Art sind unterschiedliche Blütenfarben von Gelb über Violett bis Grün möglich.

Wie oft muss man Tabakpflanzen gießen?
Gegossen wird die Tabakpflanze mit der Sprühflasche, sobald die oberste Schicht der Erde abgetrocknet ist.

Wie groß wird eine Tabakpflanze?
Neben Sträuchern, die nur bis zu 30 Zentimeter hoch werden, gibt es auch Exemplare, die eine Wuchshöhe von maximal zwei Metern erreichen. Außerdem existieren sogar Tabakpflanzen, die zehn Meter hoch werden können.

Wie viel Ertrag bringt eine Tabakpflanze?
Pro Tabakpflanze erhält man einen Ertrag von 50 bis 100 Gramm Tabak.

Wie viele Tabakpflanzen darf man besitzen?
Der Tabakanbau ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz für den Eigenbedarf erlaubt. Festgelegte Obergrenzen gibt es nicht, allerdings sollte man nicht mehr als 100 Pflanzen anbauen, um auf der sicheren Seite zu sein.

Ist die Tabakpflanze giftig?
Ja, für viele Haus- und Wildtiere ist die Tabakpflanze giftig.

Welche Erde ist für Tabakpflanzen geeignet?
Der Boden sollte gut wasserdurchlässig und feucht sein, weshalb ein leichtes und sandiges Substrat mit hohem Humusanteil optimal ist.

Welcher Dünger bietet sich für Tabakpflanzen an?
Gedüngt wird am besten mit einem speziellen für Tabakpflanzen hergestellten Dünger.

Wo kann man Tabakpflanzen kaufen?
Tabakpflanzen sind in Form von Saatgut oder als Jungpflanzen erhältlich. Die größte Auswahl an verschiedenen Sorten findet man in der Regel im Internet.

Systematik

Kerneudikotyledonen
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Nachtschattenartige (Solanales)
Familie: Nachtschattengewächse (Solanaceae)
Gattung: Tabak

Wissenschaftlicher Name

Nicotiana

Artikelbild: © kukuruxa / Shutterstock

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