Die richtige Ladungssicherung im Straßenverkehr

Die richtige Ladungssicherung im Straßenverkehr

Ob als Privatperson, Produzent, Händler oder im Transportgewerbe: Ladung richtig zu sichern ist keine Frage des Anstandes, sondern ist für jeden Straßenverkehrsteilnehmer gesetzlich verankert. Unter Ladung ist dabei jedwedes Transportgut zu verstehen, das nicht fest am Fahrzeug verbaut ist. Das betrifft Kleinteile im Auto und Gepäck am Fahrrad ebenso, wie das Anschnallen von Personen und das sichere Transportieren von Tieren.

Auch im alltäglichen Warentransport ist die richtige Materialsicherung auf der Ladefläche von grundlegender Bedeutung und muss auch in Stress und Routine sehr gewissenhaft vorgenommen werden. Insbesondere beim Be- und Entladen von Waren kommen Unfälle vor, die durch korrekte Sicherungsoptionen und geeignete Transportverpackung vermeidbar sind. Es gilt, die wertvolle Fracht, die Fahrzeuginsassen, das Fahrzeug selbst und alle anderen Verkehrsteilnehmer vor Schäden zu schützen. Im Folgenden sind die wichtigsten Aspekte zur Transportsicherheit übersichtlich aufgeführt.

Die Gesetze der Physik

Beim Verladen und dem Transport von Gütern treten physikalische Kräfte auf, die das Umkippen oder Verrutschen der wertvollen Ware zur Folge haben können. Die Kräfte wirken:

  • in oder gegen die Fahrtrichtung,
  • zur Seite nach links und rechts,
  • vertikal – nach oben und unten.

Beim Anfahren und Beschleunigen kann die Ladung nach hinten rutschen – beim Bremsen treten diese Tendenzen hingegen in Fahrtrichtung auf. Auch in Kurven kann sich die Fracht ohne geeignete Sicherungsmaßnahmen zur Seite hin verschieben. Zudem wirken bei unebenen Straßenlagen, Bahnübergängen und Wellen im Belag vertikale Kräfte, gegen deren abhebende Wirkung alle Gegenstände beim Transport gesichert werden müssen. Spezielle Tipps, beispielsweise für den Transport einer Waschmaschine, enthält unser Ratgeber.

Die Prinzipien der Ladungssicherung

Ladungen können auf verschiedene Weisen Arten gesichert werden. Es gibt die Prinzipien der formschlüssigen und der kraftschlüssigen Ladungssicherung.

Formschluss und Kraftschluss

Art der LadungssicherungMerkmale
Formschlüssige LadungssicherungDie Ladungseinheiten werden so positioniert, dass ein Verrutschen der Gegenstände unmöglich ist – Lücken werden ausgefüllt. Zudem dienen Direktzurren und Diagonalzurren zur formschlüssigen Sicherung.
Kraftschlüssige LadungssicherungNiederzurren gewährleistet eine kraftschlüssige Sicherung der Ladung. Beim Niederzurren pressen Gurte, Netze oder Planen die Waren auf die Ladefläche. Unterlagen aus Gummi erhöhen die Reibungskraft und verhindern so das Verrutschen der Ladung.

Niederzurren und Direktzurren

Der Schwerpunkt der Ladung sollte in der Mitte des Fahrzeuges liegen und möglichst niedrig gehalten werden. Beim Niederzurren werden Zurrgurte mittels Spann-Ratschen direkt über die Ladung gespannt und straff nach unten verankert. So wird auf die Ladung die sogenannte Vorspannkraft ausgeübt.

Niederzurren ist wohl die am Häufigsten vorkommende Sicherungsart. Darunter versteht man das kraftschlüssige Pressen der Ladung auf die Ladefläche durch Zurrmittel. Somit wird das Risiko des Verrutschens der Ladung stark verringert.

Eine weitere Methode der Ladungssicherung ist das Direktzurren. Die Ladung wird gesichert, indem die Zurrmittel seitlich der Ladung gespannt werden. Das funktioniert auch über Kreuz im sogenannten Diagonalzurren. Eine dieser Sicherungsarten sollte bei der Ladungssicherung immer Anwendung finden, abhängig vom Ladungsgut und der Ladefläche.

Hilfsmittel zur Ladungssicherung

Ladungssicherung umfasst alle Maßnahmen die Ladungsteile auf dem gesamten Transport gegen physikalische Bewegungskräfte absichern. Um das zu gewährleisten stehen für die Ladungssicherung unterschiedliche Hilfsmittel zur Verfügung, die je nach Gewicht, Größe und Art des Transportgutes Anwendung finden. Es gilt dabei häufig mehrere Sicherungsvarianten zu kombinieren, um alles unbeschädigt ans Ziel zu bringen. Regeln und Tipps für richtiges Packen, beispielsweise für einen Umzug, haben wir bereits hier zusammengefasst.

Besonders für schwere Ladungen und kleinteilige Waren ist ein Spanngurt alleine oftmals zu wenig. Verpackungs- und Transportmaterial ist in Fachmärkten, wie dem Spezialisten für Verpackungsmaterialien Enviropack, auch online erhältlich. Solche Hilfsmittel sind:

  • Umreifungsbänder und Umreifungsgeräte (Verschluss-/Spannsysteme)
  • Anti-Rutschmatten
  • Transportboxen und Umzugskartons
  • Netze und Planen für loses Transportgut
  • Kantenschoner gegen Ladungsschäden
  • spezielle Sicherungen, z.B. für den Waschmaschinen-Transport

Jedes einzelne Teil zur Sicherung muss der angegebenen Last und Tragfähigkeit der gesamten Ladung entsprechen. So ist beispielsweise bei der manuellen Umreifung von Waren neben dem geeigneten Umreifungsband auch die Lastangabe der genutzten Verschlussklemmen zu beachten.

Grundregeln der Ladungssicherung

Bei jedem Transport ist darauf zu achten, dass:

  • das Fahrzeug für Gewicht und Packmaß der Ladung zugelassen ist,
  • die Ladungsteile in sich stabil sind,
  • die Ladung nicht rutschen kann,
  • die Ladung nicht kippen kann und
  • sich die Ladungssicherung während der Fahrt nicht lösen kann.

Nicht nur die Ladung auf einem Anhänger oder einer Ladefläche muss gesichert sein. Selbst alltägliche Gegenstände im Innenraum des Fahrzeuges, wie Wasserflaschen oder Handtaschen, können schon bei kleinen Auffahrunfällen bei geringer Geschwindigkeit großen Schaden anrichten!

Haftung und Strafen bei falscher Ladungssicherung

Schon eine mangelhafte Ladungssicherung ohne Gefährdung führt zu Bußgeldern. Bei einer tatsächlichen Gefährdung oder im Wiederholungsfall drohen Punkte im Verkehrszentralregister und der Verlust der Fahrerlaubnis! Zur Einhaltung der Regeln sind Fahrer, Verlader und Fahrzeughalter in der Pflicht.

Wenn der Versender die Ware nur mangelhaft verpackt, dann haftet er für die Transportschäden. Landet die Ladung durch eine fehlende Sicherung auf der Straße, ist das Transportunternehmen nach den Regelungen des HGB verantwortlich. Kommen dabei noch Menschen zu schaden, kann das Unternehmen für diese Verletzungen oder den Tod nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) sogar in unbegrenzter Höhe haftbar gemacht werden.

Es gibt Richtlinien, die eine Berechnung der Vorspannkraft für die Sicherung der Ladung vorsehen. Für eine sichere Fahrt sind immer auch die Verladeanweisungen der Ware zu berücksichtigen.

Die Handwerkerregelung – Erleichterter Transport von Gefahrgut

Für bestimmte Transporte von Gefahrgut gibt es gemäß ADR (Europäisches Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße) sogenannte Freistellungsregelungen von den umfangreichen Beförderungsvorschriften für gefährliche Güter. Diese Erleichterungen sind besonders für Handwerker und Baubetriebe interessant.

Das entfällt bei Transporten von Gefahrgut, die der Handwerkerregelung entsprechen:

  • Fahrzeuge müssen nicht mit Warntafeln gekennzeichnet sein
  • der Fahrer muss keinen Gefahrgutführerschein besitzen
  • Transportboxen müssen nicht über Be- und Entlüftung verfügen
  • es sind keine besonderen Beförderungspapiere nötig
  • es müssen keine Feuerlöscher mitgeführt werden

Zusammenfassung

Die richtige Ladungssicherung von Waren ist für den Fahrer ebenso relevant, wie für andere Verkehrsteilnehmer und natürlich den Empfänger der Waren. Eine mangelhaft gesicherte Ladung kann zu gefährlichen Situationen führen. Die geeigneten Sicherungsoptionen sind abhängig von dem zur Verfügung stehenden Fahrzeug und dem zu befördernden Transportgut.

Artikelbild: Zaschnaus / Bigstock.com

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