Ist die Flüssiggas-Versorgung für Deutschland gesichert?

Ist die Flüssiggas-Versorgung für Deutschland gesichert?

Der Ukrainekrieg hat Folgen für alle – Was ist mit unserer Gasversorgung für Privathaushalte?

Seit einigen Jahren kennen die Gaspreise nur noch die Richtung nach oben. Die Zeiten von billigem Gas sind vorbei. Besonders in den letzten Monaten konnte man dies feststellen, die Gaspreise schießen nahezu durch die Decke. Doch dass der Gaspreis steigt, ist nur ein Teil der schlechten Botschaft. Der zweite Teil ist die Versorgung mit Gas bzw. die Sicherstellung dieser.

Seit Ende Februar 2022 ist die Welt aufgrund des Angriffskrieges durch Russland auf die Ukraine eine andere. Und gerade, weil Russland das Land ist, welches am meisten Gas liefert, stellt sich eine Frage: Ist die Gasversorgung in Deutschland noch sicher? Diese Frage stellt sich nicht nur, wenn man Erdgas bezieht, sondern auch, wenn man sich, vermeintlich unabhängig, mit Flüssiggas versorgt.

Man darf Flüssiggas nicht vergleichen

Grundsätzlich darf man bei der Frage der Versorgungssicherheit mit Flüssiggas einen Fehler nicht machen, nämlich vergleichen. Ein Vergleich mit Erdgas verbietet sich aus mehreren Gründen: Geht es um Erdgas, ist ein Land wie Deutschland weitgehend auf Importe aus dem Ausland angewiesen. Ganz anders sieht es bei Flüssiggas und damit auch bei der Versorgung aus. Dazu muss man jedoch wissen, was Flüssiggas ist.

Anders als bei Erdgas, wird das Flüssiggas auch als sogenanntes Begleitgas bezeichnet. Diese Bezeichnung ist dem Umstand geschuldet, da das Flüssiggas nicht extra hergestellt wird. Vielmehr entsteht das Gas aufgrund der Verarbeitung von Erdgas oder von Rohöl. Früher schenkte man dem Flüssiggas als Begleitgas nahezu keine Beachtung. Es wurde verbrannt oder einfach in die Luft abgelassen. Erst später setzte sich der Gedanke durch, dass man Flüssiggas auch zum Kochen oder zum Heizen verwenden könnte.

In Deutschland wird jedes Jahr rund 3 Millionen Tonnen Flüssiggas als Begleitgas hergestellt. Der größte Teil kommt hierbei aus der Erdgasförderung mit 60 Prozent, die restlichen 40 Prozent entstehen bei der Rohölverarbeitung. Da Deutschland über nahezu keine Erdgasförderung verfügt, wird das Flüssiggas fast vollständig aus der Rohölverarbeitung gewonnen.

Der große Vorteil von Flüssiggas

Gerade weil das Flüssiggas in Deutschland weitgehend aus der Rohölverarbeitung gewonnen wird, hat dies für Verbraucher einen großen Vorteil. Bei diesem Vorteil handelt es sich um die damit verbundene Versorgungssicherheit. Denn während man bei Erdgas von anderen Ländern abhängig ist, wie beispielsweise Russland, ist diese Problematik bei Flüssiggas nicht vorhanden.

Und selbst wenn Deutschland seinen Bedarf an Flüssiggas nicht selbst decken könnte, ist das mit keiner Abhängigkeit verbunden. Sogar Länder in der direkten Nachbarschaft, wie die Niederlande oder Belgien, verfügen über Flüssiggas. Ein Engpass bei der Versorgungssicherheit ist bei Flüssiggas nur zu erwarten, wenn die Rohölverarbeitung sofort reduziert wird. Einen Ausgleich dafür wird man nicht sofort erreichen können.

Ein Engpass könnte ebenfalls entstehen, wenn der Bedarf an Flüssiggas plötzlich drastisch ansteigt. Nur in solchen Fällen wird man mit höheren Kosten für den Bezug sowie mit Problemen bei der Versorgungssicherheit rechnen müssen. Doch das ist laut Experten und Branchenverbänden wie dem Deutschem Verband Flüssiggas unwahrscheinlich.

Lediglich 600.000 Haushalte in Deutschland nutzen Flüssiggas für die eigene Versorgung. Der Bezug von Flüssiggas erfolgt über Flaschen oder über einen externen Tank. Ein großer Vorteil bei Flüssiggas ist die Sicherheit bei der Versorgung. Eine Abstellung oder eine Unterbrechung ist nicht möglich. Man kann seinen eigenen Verbrauch über den Tank steuern.

Flüssiggas-Versorgung in Deutschland

Ist Flüssiggas ein Auslaufmodell als Energieträger?

Sieht man jetzt von Ereignissen wie einem Krieg ab, gibt es natürlich auch weitere Entwicklungen, die Sorgen bereiten könnten. Der Bedarf an Rohöl wird sicherlich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten deutlich nachlassen. Allein aufgrund der Umstellung auf Elektrofahrzeuge im Verkehrsbereich. Gerade hinsichtlich der Versorgungssicherheit kann das die Frage aufwerfen, inwieweit diese dann überhaupt noch gewährleistet ist und ob nicht die Nutzung von Flüssiggas ein Auslaufmodell ist. Doch diese Sorge ist unbegründet.

Selbst wenn die Rohölverarbeitung nachlassen sollte, gibt es mittlerweile andere Quellen für Flüssiggas. Seit wenigen Jahren gibt es das sogenannte Bio-Flüssiggas. Dieses Bio-Flüssiggas wird nicht aus Rohöl oder aus Erdgas hergestellt, sondern aus Reststoffen wie Abfällen oder aus Pflanzenölen gewonnen. Und noch etwas spricht für Flüssiggas – nämlich die Bedeutung dessen.

Gerade seit Beginn des Krieges in der Ukraine vor wenigen Wochen, ist die Bedeutung von Flüssiggas eine andere geworden. Da die Versorgung mit Erdgas, welches überwiegend aus Russland stammt, nicht mehr als sicher gilt, soll die Energieversorgung breiter aufgestellt werden. Und ein bedeutendes Element soll hierbei auch Flüssiggas sein. Eigene Terminals sollen in mehreren deutschen Häfen gebaut werden, damit Schiffe mit Flüssiggas dort anlegen können.

Mögliche Preissteigerungen

Gerade durch die neue Rolle von Flüssiggas ist die Versorgungssicherheit durch Unternehmen wie die Tega GmbH gesichert. Sorgen wird man sich als Verbraucher nicht machen müssen. Doch wo Licht ist, ist meist auch Schatten: Aufgrund der aktuellen Bedeutung von Flüssiggas wird man mit einer steigenden Nachfrage rechnen müssen. Diese Nachfrage hat zur Folge, dass damit auch Preissteigerungen verbunden sein können.

In welchem Umfang dies geschieht, lässt sich derzeit noch nicht konkret sagen. Auch deshalb, weil hierbei wesentlich eine Rolle spielen wird, zu welchen Preisen das Flüssiggas aus dem Ausland importiert werden kann. Maßgeblich ist zudem auch noch, inwieweit die eigene Produktion, gerade bei Bio-Flüssiggas, noch gesteigert werden kann.

Zusammenfassung

Unabhängig und sicher – mit diesen zwei Worten kann man Flüssiggas beschreiben. Begleitgas wird in Deutschland nur wenig im Vergleich zu Erdgas eingesetzt. Es wird geliefert und in Flaschen oder in Tanks bevorratet. Die Versorgungssicherheit ist bei Flüssiggas gewährleistet. Nicht nur, weil es aus Erdgas und Erdöl gewonnen wird, sondern mittlerweile auch als Bio-Gas aus Abfällen hergestellt werden kann.

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