Human-Centric-Lighting: Gesundheit und Wohlbefinden steigern

Human-Centric-Lighting: Gesundheit und Wohlbefinden steigern

Licht ist für Menschen, Pflanzen und Tiere genauso wichtig wie die Luft zum Atmen. Ohne Licht können Menschen nicht leben. Und doch wird die Beleuchtung in Wohnräumen vernachlässigt.

Seit die Glühbirne im 18. Jahrhundert erfunden wurde[1], hat sich die Beleuchtung Jahrtausende später nur minimal verändert – und das, obwohl es aus technischer Sicht viele Möglichkeiten gibt, an die man damals nicht mal träumen konnte. In vielen Gebäuden wird Licht nach wie vor zur Erhellung der Räume verwendet. Mit Glühlampen – oder seit dem Glühlampenverbot eher LEDs und Energiesparlampen – bringen Menschen regelrecht Licht ins Dunkel. Dabei hat Licht für Menschen eine wichtigere Bedeutung.

Winterblues: Wenn die winterliche Dunkelheit die Stimmung dämmt

Wie wichtig Licht für Menschen ist, müssen einige Personen jedes Jahr im Winter auf eigener Haut erfahren. Lichtsensible Verbraucher erleben im Winter den sogenannten Winterblues, der ihre Stimmung drückt. Laut dem Chefarzt des Berliner St. Hedwig-Krankenhauses, Dieter Kunz, leidet jeder vierte Deutsche unter diesen saisonalen Schwankungen. Die Verstimmung erreicht im Februar oder März ihren Höhepunkt.

Der Winterblues ist eine relativ junge Krankheit, die es seit etwa 100 Jahren gibt. Früher mussten Menschen im Winter in eine Art Energiesparmodus umschalten, um die langen, kalten Nächte zu überstehen. Inzwischen schalten wir die Heizung an, wenn es kalt ist. Dadurch eliminieren wir saisonale Signale, die die innere Uhr des Menschen verwirrt.

Ob die Temperatur beim Winterblues eine große Rolle spielt, ist bisher unbekannt. Fakt ist, dass das fehlende Licht das Immunsystem beeinflusst. Glücklicherweise gibt es dafür eine Lösung: die künstliche Beleuchtung.

Die Beleuchtung mit einem Profi planen

Licht ist im 21. Jahrhundert wichtiger denn je. Menschen verbringen einen großen Teil ihres Lebens in geschlossenen Räumen, sei es im Büro oder zu Hause. In den eigenen vier Wänden erfüllt die Beleuchtung meist nur eine von drei Eigenschaften (siehe nächster Abschnitt). Der Grund: Beim Hausbau wird selten die Kompetenz eines Profis zurate gezogen.

Der Profi ist natürlich der Elektriker: Er sollte bei der Planung der Wohnräume mit einbezogen werden. Durch seine langjährige Erfahrung kennt er sich mit der Lichtgestaltung aus und weiß über die neusten Trends im Bereich Haussteuerung und -automation Bescheid. Ein Elektriker kann auch darüber informieren, welche Kosten durch die Licht- und Elektroplanung entstehen.

Die drei Eigenschaften der modernen Beleuchtung

Gemeinsam mit einem Elektriker kann die Beleuchtung einer Wohnung die essenziellen Aufgaben erfüllen, die heute notwendig sind. Bis dato erfüllte die Beleuchtung in erster Linie die Sehaufgabe. Seit dem Glühlampenverbot kam die zweite Eigenschaft hinzu: Energieeffizienz. Menschen steigen auf LED-Leuchtmittel um, die weniger Energie verbrauchen. Dadurch schonen sie die Umwelt, erhalten gleichzeitig aber auch einen weiteren Vorteil: LEDs haben eine lange Lebensdauer und ermöglichen völlig neue Designs bei den Leuchtmitteln.

Die dritte Eigenschaft zielt darauf ab, die biologischen Lichtbedürfnisse des Menschen zu befriedigen. Dieser Ansatz wird Human-Centric-Lighting genannt. Im Prinzip geht es darum, Beleuchtungslösungen zu verwenden, deren Konzept auf dem natürlichen menschlichen Tageslichtverlauf beruht. Dieses Lichtkonzept bringt folgende Möglichkeiten mit sich:

  • reguliert den Tag-Nacht-Rhythmus
  • bestimmt, welche Hormone ausgeschüttet werden
  • steigert die Leistung und Konzentrationsfähigkeit

Der circadiane Rhythmus

Die Umsetzung des Human-Centric-Lighting zielt darauf ab, das Wohlbefinden und die Gesundheit des Menschen zu steigern. Ein wichtiger Faktor ist der circadiane Rhythmus: Er bezeichnet einen Rhythmus von ungefähr 24 Stunden (daher circadiane), also die innere Uhr des Menschen. Grundsätzlich besitzt unsere Umwelt neben der räumlichen auch eine zeitliche Struktur. Die innere Tagesuhr wurde als Erste entdeckt. Ihre Lage ist von Organismus zu Organismus verschieden, hängt aber meistens mit dem visuellen Sinnessystem zusammen.

Der dritte Fotorezeptor im Auge des Menschen wurde im Jahr 2002 gefunden. Er dient nicht dem Sehen, die Rezeptoren sind direkt mit dem Gehirn verbunden. Dadurch wird deutlich, wie wichtig Licht für Menschen ist: Es beeinflusst uns auf direkte Weise. Im Rahmen von Human-Centric-Lighting wird ein Lichtkonzept verwendet, welches das Tageslicht imitiert. Gemeint ist nicht nur die Lichtstärke, sondern auch die Farbe, der Verlauf sowie die Dynamik.

Die Implementierung von Human-Centric-Lighting ist nicht nur für den Privatbereich von Bedeutung, sondern auch die Industrie, wie eine Studie von LightingEurope zeigt (PDF). Unternehmen können durch das Lichtkonzept die Produktivität ihrer Mitarbeiter steigern und ihre Investition in kurzer Zeit ausgleichen.

Fazit

Human-Centric-Lighting wird in Zukunft in vielen öffentlichen und privaten Gebäuden zum Einsatz kommen. Interessenten, die Lösungen heute umsetzen möchten, können sich auf der Messe Light+Building 2016 in Frankfurt über Produkte und Konzepte informieren.


  1. War es Göbel oder Edison? Darüber streitet man sich bis heute

Artikelbild: © Marko Poplasen / Shutterstock

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