Das Satteldach

Das Satteldach

Ein Viereck, ein Dreieck oben drauf – fertig ist das „Haus“. So sehen Kinderzeichnungen von Häusern aus, und so ist das Dach, einfach als Dreieck auf das Geviert des Gebäudes gesetzt, in seiner einfachsten Form präsent. Wahrnehmungspsychologen sprechen heute vom „repräsentativen Typus“, wenn sie ein Element meinen, das für eine ganze Kategorie kennzeichnend sein kann.

Unter den Dachformen ist der repräsentative Typus der Kategorie das Satteldach, das allgemein am ehesten als Dach erkannt wird und auch die weiteste Verbreitung hat. Tatsächlich ist das Satteldach der Prototyp der Dachformen, die in den kälteren und gemäßigten Klimazonen vorkommen. Das Satteldach besteht aus zwei gegeneinander geneigten Dachflächen, die an der waagerechten Kante oben, dem Dachfirst, verbunden sind.

Dieses Dach ist der zeitlose Klassiker unter den Dachformen und wird seit Jahrhunderten beim Bauen verwendet. Seine Beliebtheit speist sich aus mehreren Gründen: es ist praktisch, zweckmäßig, preiswert und optisch gefällig anzusehen. Was alles für ein Satteldach spricht, aber auch mit einem klaren Blick auf Vorteile und Nachteile gleichermaßen, wollen wir im Folgenden sehen.

Was zeichnet das Satteldach aus?

Das Satteldach ist, wie bereits gesagt, eine architektonisch einfache Konstruktion: zwei Dachflächen treffen oben, am sogenannten Dachfirst, zusammen. Somit ist der Dachstuhl sehr einfach, aber auch sehr robust und stabil ausgeführt. Das Satteldach wird traditionell als Sparrendach oder Pfettendach ausgeführt, je nach Region oder speziellem Wunsch des Bauherrn.

Sowohl Sparrendächer als auch Pfettendächer haben eine lange Tradition in der Baugeschichte und werden in Nord- und Süddeutschland für Privathäuser, aber auch für offizielle Gebäude und Kirchen gebaut. Ein Sparrendach besteht aus vertikalen Sparren, auf denen die Dacheindeckung angebracht wird.

Vom Sparrendach unterscheidet sich das Pfettendach durch die waagerechten Pfetten, auf denen die Sparren angebracht werden, was für zusätzliche Stabilität im Dachstuhl sorgt. Sowohl die einfacheren Satteldächer mit Sparren, als auch aufwändigere Dachkonstruktionen mit Pfetten sind allgemein beliebt.

Geschichte des Satteldachs

Das Satteldach ist eine bewährte, einfache Konstruktion vom Dach – doch es gibt keinen „Erfinder“, keinen Star-Architekten, der sich um dieses Baudetail verdient gemacht hätte. Insofern finden sich im Lexikon der Architektur keine glanzvollen Namen derer, die zuerst die spezielle Dachform mit Sattel entdeckt haben wollen.

Was man historisch nachvollziehen kann, ist, dass es das Satteldach – wie auch das kegelförmige Runddach – bereits bei frühen Siedlungen gibt, dass allerdings diese Dachform geschichtlich erst auftaucht, wenn sich Häuser aus stabilem Material durchgesetzt haben. Während Runddächer runde Hütten vor den Unbilden des Wetters schützen, tritt das Satteldach bei Häusern aus Holz oder Lehm oder Stein auf, was zivilisatorisch meist eine spätere Epoche darstellt.

Verbreitung

Neben der epochalen Einordnung hat das Satteldach auch eine geografische Verteilung – es ist zwar überall auf der Welt anzutreffen, aber in Europa bevorzugt in kälteren bis gemäßigten Gegenden. Auch das lokale Klimas spielt eine Rolle: wo hoher Schneefall eintritt, wie zum Beispiel in der Alpenregion, sind Dächer mit starkem Neigungswinkel üblich, um die Schneemassen abrutschen zu lassen – oder mit einem geringeren Neigungswinkel, damit ein abruptes Abfallen von Schnee vermieden wird.

Die klassische Dachform aus zwei Dachschrägen mit unterschiedlichem Grad von Steilheit ist sehr flexibel und passt sich den regionalen, klimatischen und individuellen Bedürfnissen an, und das ist auch ein Grund, weshalb sich diese Konstruktion so bewährt hat. Das Satteldach ist sozusagen die architektonische Krönung der Flexibilität im Ausdruck und der Stabilität beim Wohnen – und deshalb gilt diese Dachform ja auch als „repräsentativer Typus“.

Varianten & Unterformen des Satteldachs

Gerade der große Klassiker unter den Dachformen ist erstaunlich variantenreich und überrascht durch immer neue Ausformungen, die teilweise auch prägend für eine ganze Region oder Stilepoche sind, weshalb man in der Baugeschichte gern auch vom altfränkischen oder altfranzösischen Dach spricht.

Auch die modernen Dächer, die mit High-Tech-Verfahren gebaut werden, greifen auf eine der Formen oder Unterformen des Satteldachs mit seinem einfachen Dachstuhl und den beiden gegeneinander gesetzten Dachflächen zurück. Hierbei unterscheiden sich die einzelnen Satteldach-Modelle durch ihren Neigungswinkel der Dachflächen zueinander.

  1. Das flache Satteldach oder Flachsatteldach weist eine Dachneigung von 30° oder weniger auf
  2. Ein Dach mit einer Dachneigung von 45° wird als neudeutsches Dach oder auch Winkeldach bezeichnet
  3. Ein Dach mit einer steilen Dachneigung, die 62° erreicht, wird es als gotisches oder altdeutsches Dach bezeichnet
  4. In Form eines gleichseitigen Dreiecks mit 60° Dachneigung spricht man von einem altfränkischen oder altfranzösischen Dach

Ein flaches Satteldach oder Flachsatteldach ist aufgrund der geringen Neigung der Dachflächen in den Augen Vieler sehr formschön. Es ist auch praktisch, da es den Schnee in Gebieten mit starkem Schneefall sanft auffängt und nicht zu lawinenartigen Rutschen führt, die Gefahr für Passanten bringen könnten.

Das sogenannte neudeutsche Dach oder Winkeldach ist der häufigste Typus solcher Dächer und hat mit rund 45° Dachneigung für Viele den optimalen Winkel, um attraktiv auszusehen und stabil in der Konstruktion zu sein. Reizvoll anders sind die äußerst steilen Dächer, wie das sogenannte gotische oder altdeutsche Dach, das mit 62° eine starke Dachneigung aufweist und sehr repräsentativ wirkt.

Sie erinnern sich an gotische Architektur, vor allem an Kirchen und Kathedralen? Der Winkel, das Maß und der steile Neigungsgrad sind kennzeichnend für diesen besonderen Stil, der im frühen bis späten Mittelalter von 1200-1500 die Sakralbauten Europas, aber auch einzelne Privatgebäude gekennzeichnet hat. Wer diese Dachform auch beim Eigenheim bevorzugt – und nicht nur bei Sakralbauten – hat einen exklusiven Geschmack und fördert zudem ein Gefühl von Stabilität beim Bauen und Wohnen, denn solche Dachstühle sind äußerst stabil.

Zuletzt gibt es das Dach in Form eines gleichseitigen Dreiecks, das wie eine Pyramide wirkt: es ist das altfränkische oder altfranzösische Dach, welches die Grundform Satteldach in besonders aparter Umformung präsentiert. Solche Dächer gehören oft zu Bestandsimmobilien, die eine schöne bauliche Tradition haben oder sogar unter Denkmalschutz stehen. Moderne Häuser mit Satteldach greifen eher auf den Flachsattel-Typus zurück oder generell auf Dächer mit geringerer Dachneigung.

Kleine Kostenrechnung zum Satteldach

Was kostet ein Satteldach? Die Kosten für den „variablen Klassiker“ sind überschaubar, sofern keine architektonischen Extras eingebaut werden und die Statik keine besonderen Herausforderungen stellt, was im Einzelfall möglich ist. Wir werden im Folgenden Kosten für Dachstuhl, Material zur Eindeckung und Dämmung einbeziehen in die Rechnung und eine Beispielkalkulation eröffnen.

Da ein Sattel als Dachstuhl grundsätzlich auf jede Haus-Form und auch auf jede Dachfläche aufgesetzt werden kann, könnte die Grundfläche zur Berechnung beliebig groß oder klein sein. Hier berechnen wir zur Vereinfachung und zum besseren Überblick einfach mit einer Standardgröße von Dachfläche 180 m², wobei Sie natürlich Ihr individuelles Beispiel von Haus anpassen können.

    Satteldach KostenübersichtPreis
    Dachstuhl12.000 EUR
    Eindeckung 6.000 EUR
    Wärmedämmung10.000 EUR
    Gesamt28.000 EUR

Es lässt sich leicht ablesen, dass eine klassische und bewährte Konstruktion wie ein Satteldach preiswerter beim Bauen ist als ein Mansarddach, Pultdach, Walmdach, ein futuristisches Flachdach oder eine andere aufwändigere Konstruktion. Diese Kosten-Reduktion ist durch den in der Bauweise einfacheren Dachstuhl zu erklären, der einfach aus Sparren oder Sparren mit Pfetten besteht und eine leichte Konstruktion hat.

Auch die Dacheindeckung mit Ziegeln aus Ton, wie hier im Beispiel, ist preiswert. Ferner gilt es zu beachten, dass die meisten Eigentümer Fenster an ihrem Satteldach haben wollen: hier können wir nochmals 3.000-4.000 € mit einkalkulieren für entsprechende Dachfenster. Die Gesamtrechnung würde sich also um die Kosten für Fenster, je nach deren Anzahl und Qualität, etwas erhöhen. Dennoch bleibt der Preis für ein Satteldach in der Regel deutlich unter den Kosten für andere Dachformen.

Vorteile und Nachteile des Satteldachs

Die Vorteile dieser Dachform sind offensichtlich: Satteldächer sind klassisch, zeitlos aktuell und formschön anzuschauen, und zudem sind sie sehr variabel beim Hausbau, wenn man unterschiedliche Neigungswinkel der Dachflächen gestaltet – denn ein paar Grad mehr oder weniger machen beim sattelförmigen Dach einen ganz anderen Eindruck aus.

Durch den vergleichsweise günstigen Preis dieser einfachen Konstruktion von Dachstuhl und Wärmedämmung ist der Kostenpunkt für den Bauherrn überschaubar, und auch Reparaturen fallen von den Kosten her oftmals weniger ins Gewicht als bei aufwändigen, komplizierten Konstruktionen. Ein weiterer Vorteil für Umweltfreunde ist ferner der, dass man das Satteldach auch mit Naturmaterialien eindecken kann, was einen schönen behaglichen Stil erzeugt, der für viele das Nonplusultra darstellt.

Ein Nachteil von einem Satteldach ist der, dass als Fenster nur Dachfenster oder Giebelfenster in Frage kommen. Diese können in der Anschaffung und beim Bauen teurer sein, da auch ihr Einbau und ihre Handhabung aufwändiger ist als bei Fenstern für normale, nicht abgeschrägte Wände. Zudem ergibt ein Satteldach für den unterhalb des Dachs entstehenden Wohnraum – wenn er denn ausgebaut werden soll – stets eine sehr starke Wandneigung, die nicht von allen als gemütlich empfunden wird.

Ob man gern unter dem Dach leben und wohnen will, ist Geschmackssache. Ein ausgebautes Satteldach mit Giebelfenstern kann romantisch und modern wirken, wenn es über entsprechende, isoliert verglaste Spezial-Fenster verfügt, die genügend Licht hereinlassen, doch der Raum-Eindruck „drückender“ Dachschrägen bleibt bei der Dachform Satteldach immer erhalten.

Bei einem Flachsatteldach mit geringer Dachneigung entsteht zudem ein erheblicher Wohnraumverlust, das heißt, nur ein geringer Anteil der Wohnfläche unter dem Dach ist überhaupt nutzbar, da die Deckenhöhe zu niedrig ist zum aufrechten Stehen und Gehen. Auch hierauf sollte man vorausschauend achten, wenn man sich überlegt, ein Haus mit Satteldach zu kaufen oder zu bauen.

Vorteile eines Satteldachs

  • Preiswerter Bau
  • Stabile Konstruktion
  • Varianten der Ausführung möglich

Nachteile eines Satteldachs

  • Wohnraumverlust unter dem Dach
  • Stellraumfläche durch Dachschrägen eingeschränkt
  • Lichteinfall nur durch Dachfenster möglich

Die Bauweise beim Satteldach

Wie unterscheidet ein Satteldach eigentlich architektonisch von den komplexeren Dachformen wie Mansarddach oder Walmdach und wie müssen wir uns das Bauen einer solchen Dachform vorstellen?

Das Satteldach wird beim Hausbau aus Sparren aus Holz, mit oder ohne zusätzliche waagerecht angebrachte Dachpfetten, welche das Gewicht der Sparren zusätzlich stützen, ausgeführt. So entsteht ein einfacher, sehr stabiler Dachstuhl, der auch witterungsbeständig ist und ohne Beachtung von Winkeln leicht mit Dämmmaterial isoliert werden kann, was die Energie-Effizienz wiederum sehr attraktiv macht.

Die Dacheindeckung kann aus Naturmaterial oder High-Tech-Material bestehen, was zu einer großen Varianz an Stilen führen kann und jedem persönlichen ästhetischen Geschmack entgegenkommt. Das Satteldach krönt meist ein klassisches Giebelhaus, wobei die beiden Giebel entweder zur Straßenseite (und meist zum Betrachter) hin oder von der Straße weg seitlich ausgerichtet sein können.

Gut zu wissen

Wer sich für den traditionellen Klassiker unter den Dachformen entscheidet, hat viele Vorteile für sich. Was es beim Satteldach aber so alles in der Praxis zu beachten gibt, ist Pflegeaufwand, Wohnraum und Bewohnbarkeit und daher die „Praktikabilität“ im Alltag.

Grundsätzlich gilt: die Reinigung und Pflege eines Satteldachs ist einfacher als bei aufwändigeren Dachformen, da es nur zwei schräge Dachflächen gibt, die instand gehalten werden müssen, und keine Winkel oder sonstigen architektonischen Elemente, die schwer zu reinigen wären. Allerdings ist auch ein Satteldach nicht automatisch pflegeleicht, da sich gerade bei älteren Dächern auch Moos oder Verfärbung der Dacheindeckung einstellen kann.

Bei älteren Dächern ist die Dacheindeckung selbst, oder die Isolierung, oft nicht mehr zeitgemäß und muss ersetzt werden. Was die Wohnfläche unter dem Dach angeht, haben wir bereits darauf aufmerksam gemacht, dass durch die Neigung des Dachs ein Wohnraumverlust entsteht – nicht jeder will gern mit Dachschrägen leben. Hierbei ist der Nachteil der so attraktiven Flachsatteldächer der, dass der aktuelle Verlust an Wohnraum noch größer ist als bei den Dächern mit steilerem Grad, da bei Flachdächern der Raum, der bewohnbar ist, noch geringer ausfällt.

Ein zusätzlicher Nachteil ist der, dass Bauherren, denen nachträglich einfällt, dass sie noch Extras auf dem Dach wollen wie etwa eine Dachterrasse, tiefer in die Tasche greifen müssen, denn solche baulichen Veränderungen sind nicht preiswert. Insgesamt ist das Satteldach zwar variabel, aber dennoch eher für Investoren geeignet, die genau wissen, was sie wollen, denn viel Flexibilität bei der späteren Ausgestaltung ist oft nicht möglich.

Fazit

Der Klassiker unter den Dächern ist zweifellos das Satteldach, das am ehesten dem entspricht, woran wir spontan beim Thema „Dach“ denken – zwei Dachflächen, die an der waagerechten Kante oben verbunden sind und so einen einfachen First bilden und zwei Giebel. Die Sattelform der Dächer ist seit Jahrhunderten beliebt, da sie sehr witterungsbeständig, stabil und mit rund 60 Euro pro Quadratmeter Dachfläche auch preisgünstig ist.

Moderne und klassische Ausgestaltungen in Form von Flachsatteldächern oder steilen altdeutschen Dächern geben dem Satteldach einen futuristischen oder nostalgischen Touch, je nach Geschmack. Ein Nachteil dieser Dachform ist jedoch der entstehende Wohnraumverlust durch Wandschrägen, falls man einen Ausbau der Wohnfläche plant.

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