Kaminofen: Befeuerung und Tipps zur Pflege

Kaminofen: Befeuerung und Tipps zur Pflege

Wenn die Temperaturen im Herbst langsam sinken, werfen die Deutschen stolz ihren Kaminofen an. Vor dem knisternden Feuer lässt sich ein schöner Abend gleich viel gemütlicher verbringen. Ist der offene Kamin somit ein Stimmungsmacher? Steckt dahinter nur eine Tradition längst vergangener Tage? Ist das Holz ein Brennstoff, der mit alternativen Energietechniken nicht mithalten kann? Über diese Fragen lässt sich streiten, eine definitive Antwort gibt es nicht. Fakt ist, dass kaum eine alternative Energietechnik die Stimmung eines Kaminfeuers imitieren kann. Und wer darauf nicht verzichten möchte, für den haben wir eine Anleitung zur Befeuerung des Kaminofens erstellt.

Geschichte des Holzes

In Deutschland wurde vor fast 100 Jahren fast der gesamte Holzeinschlag verbrannt. Im Jahr 1970 gingen die Zahlen sogar gegen null. Nach dem Zweiten Weltkrieg lösten fossile Brennstoffe das Holz fast vollständig ab. Schnell rückten die Ölkrise und der Treibhauseffekt den Klassiker wieder zurück ins Rampenlicht.

Eins ist sicher: Holz wächst nach und ist somit ein erneuerbarer Energieträger. Und: Energie aus Holz verfügt über einen geschlossenen CO2-Kreislauf. Bei der Verbrennung gelangt nur so viel CO2 in die Atmosphäre, wie ihr zuvor die Pflanze beim Wachstum entzog.

Die Verbrennung

Obwohl Holz ideale Voraussetzungen für eine umweltfreundliche Verbrennung bietet, erinnern sich viele Menschen an den verursachten Rauch und Geruch durch Holzöfen. Verursacht wurden diese Probleme durch eine schlechte Ofentechnik in Kombination mit feuchtem Holz und falschem Betrieb. Die Folge: In vielen Orten und Städten ist der Einsatz fester Brennstoffe wie Holz nur eingeschränkt nutzbar oder gar untersagt.

Das Geheimnis des Feuers ist schnell gelüftet: Scheitholz ist kein homogener Brennstoff wie Erdgas oder Öl. Bei der Verbrennung gibt es somit mehrere Phasen:

  1. Der Brennstoff wird zu Beginn der Verbrennung durch die Erwärmung getrocknet.
  2. Bei einer Temperatur von mehr als 250 °C verwandelt sich 80 Prozent der Holzsubstanz in brennbare Gase.
  3. Es bleibt Holzkohle zurück, die erst ab einer Temperatur von mehr als 500 °C brennbare Gase freisetzt.

Um eine möglichst saubere Verbrennung zu erreichen, müssen diese Gase möglichst vollständig oxidieren. Um dies zu erreichen, müssen sie gut durchgemischt und ausreichend gelagert werden. Die optimale Temperatur spielt ebenfalls eine große Rolle.

Ein weiterer Faktor ist die Menge der Verbrennungsluft während der Verbrennungsphase. Zu viel Luft senkt den Wirkungsgrad durch die Kühlung des Feuerraums ab. Zu wenig Luft dagegen sorgt für Sauerstoffmangel und führt so zu einer unvollständigen Verbrennung.

Die Planung

Die nachfolgenden Sachverhalte können die Entscheidung für den Brennstoff Holz beeinflussen und müssen deshalb vorab geklärt werden:

  • Gibt es in Ihrer Gemeinde oder Stadt Vorgaben zur Nutzung fester Brennstoffe?
  • Vertragen die Nachbarn den gelegentlichen Geruch, der in Verbindung mit einer Holzfeuerung entsteht?
  • Überschreitet die Mündung des Kamins alle im Umkreis von 15 Metern liegenden Fenster, Türen und Lüftungsöffnungen um mehr als einen Meter?

Wer sich trotz dieser Richtlinien für Holz als Brennstoff entscheidet, sollte bei der Wahl des Ofentyps folgende Punkte beachten:

  • Feuerstätten mit offenem Feuerraum dürfen Sie nur gelegentlich, also vier bis fünf Mal im Monat, betreiben. Für sie benötigen Nutzer einen eigenen Schornstein und einen Zusatzschacht für die Verbrennungsluftzufuhr.
  • Ein 30 Quadratmeter großer Wohnraum benötigt selbst bei weniger gut isolierten Häusern nicht mehr als 5 kW.
  • Der Wirkungsgrad des Ofens wird von der Größe und Ausführung der Wärmetauscherflächen beeinflusst. Moderne Öfen erreichen Wirkungsgrade von über 80 Prozent.

Richtig heizen

Die Wahl des richtigen Brennstoffes ist das A und O. Zur Rücksicht auf die eigene Gesundheit und Umwelt ist die Wahl von naturbelassenem Holz empfehlenswert. Beschichtetes, behandeltes oder lackiertes Holz sowie andere Abfälle erzeugen bei der Verbrennung giftige Gase und sind verboten. Der Einsatz solcher Abfälle kann durch eine Analyse der Feuerraumasche nachgewiesen werden.

Dem Brennstoff Zeit zum trocknen lassen

Frisches Holz enthält Wasser in Proportionen von 50 bis 60 Prozent. Das Wasser verdampft während der Trocknungsphase der Verbrennung und etwa 50 Prozent der Holzenergie geht dabei verloren. Zudem erhitzt sich das Holz nicht auf eine ausreichende Temperatur, um alle Gase zu verbrennen. Die Folge sind Staub im Abgas und das Austreten organischer Schadstoffe.

Achtung: Befeuern Sie in Kamin- und Kachelöfen ausschließlich Holz mit einem Wassergehalt von 15 bis 20 Prozent.

Vor dem Einsatz des Holzes sollte es mindestens zwei Jahre trocken und vor Regen geschützt lagern. Das Holz braucht zur Trocknung Luft – lagern Sie es somit nicht im Keller. Anschließend das Holz in Holzscheite mit einem Umfang von zehn bis 20 Zentimetern spalten.

Die Befeuerung

Die meisten Emissionen entstehen beim Anheizen. Zu diesem Zeitpunkt sind die Wände des Kaminofens noch kalt. Wichtig ist es, eine ausreichend hohe Temperatur zu erreichen. Dies erreichen sie durch schmal und dünn gespaltenes Holz sowie handelsübliche Holzanzünder.

Tipp: Stellen Sie die Verbrennungsluftzufuhr entsprechend der Gebrauchsanweisung des Kaminofens ein.

Kleine Brennstoffmengen nachlegen

Nachdem ausreichend Grundglut vorhanden ist, können Sie größere Scheite nachlegen. Der Feuerraum sollte dabei keinesfalls überfüllt werden. Eine heftige Entwicklung von Feuergasen führt dazu, dass sie nicht schnell genug verbrannt werden. Gegebenenfalls müssen Sie in dieser Phase die Luftzufuhr ändern. Auch hier gilt es, die Bedienungsanleitung des Herstellers zu beachten. Erfolgt eine zu starke Drosselung der Luftzufuhr, dann entstehen organische Schadstoffe. Aus diesem Grund ist es empfehlenswert, kleine Brennstoffmengen nachzulegen.

Wartung & Pflege

Der ungehinderte Abtransport der entstehenden Gase ist entscheidend für eine saubere Verbrennung. Rußablagerungen im Abgasweg können diesen behindern. Es entsteht ein Sauerstoffmangel, der zur Bildung von Kohlenwasserstoffen führt. Diese kühlen sich ab und lagern sich im Abgasweg als neue Rußschicht ab. Abgase können auch in den Wohnraum gelangen, daher gilt es sie regelmäßig zu entfernen.

Regelmäßige Reinigung

Schornsteinfeger müssen holzbefeuerte Kamine regelmäßig reinigen. Wie häufig die Reinigung erfolgt, hängt von der Häufigkeit der Nutzung ab:

  • bei seltener Benutzung einmal jährlich
  • bei zeitweiser Benutzung zweimal pro Jahr
  • bei Benutzung innerhalb der üblichen Heizperiode dreimal jährlich
  • bei darüber hinaus gehender Nutzung außerhalb der Heizperiode viermal pro Jahr

Reinigung der Feuerstätte

Ruß lagert sich auch im Kaminofen an, reinigen Sie diesen in regelmäßigen abständen. Diese Reinigung erfolgt ausschließlich auf Wunsch durch den Schornsteinfeger oder einen Fachbetrieb. Empfohlen ist eine Reinigung alle vier bis sechs Wochen.

Vor jedem Heizvorgang:

  • Feuerraum und Rost säubern
  • Aschekasten entleeren

Alle vier bis sechs Wochen:

  • Lufteintrittsöffnungen prüfen
  • Beweglichkeit der Anheizklappe prüfen
  • Heizgaszüge und Wärmetauscherflächen mit Bürste reinigen

Lesen sie weiter:

Artikelbild: © l i g h t p o e t / Shutterstock

6 Kommentare

  1. Lizzy 22.08.2016 13:14 Uhr

    Wow toller Artikel, sehr hilfreiche und gute Tipps.
    Wir haben uns letztes Jahr einen Kamin angeschafft, sind davor auch super beraten worden.
    Nur bei der Holzlagerung haben wir anscheinend etwas falsch gemacht, da es nach einiger Zeit immer zu qualmen anfing (es lag eindeutig am Holz, da frisch gekauftes/geliefertes Holz nicht qualmte). Nun lagern wir das Holz draußen in der Scheune, statt im Keller.

    direkt antworten
  2. Viktoria Maisner 18.07.2017 07:13 Uhr

    Hallo zusammen,
    vielen lieben Dank für den hilfreichen Artikel. Wir haben seit letztem Jahr auch einen Kamin im Wohnzimmer. Allerdings hatten wir ihn bisher erst 2 Mal an, da wir die Technik der Befeuerung noch nicht ganz raus haben. Mit Hilfe eurer Tipps versuchen wir es im kommenden Herbst bzw. Winter noch einmal. Dann wird es sicher klappen.

    direkt antworten
  3. Katerine Bauer 26.10.2017 23:53 Uhr

    Wie oft ist regelmäßig? Und auch haben sie Bilder für wie Ich mein Kamin putzen? Ich will es falsch machen.

    direkt antworten
  4. Katherine 17.07.2018 20:04 Uhr

    Ich finde das beschriebene Thema Kamin Pflegen sehr spannend und habe schon viel darüber gelesen. Im Internet habe ich noch eine andere sehr hilfreiche Seite gefunden.

    direkt antworten
  5. Laura Heimisch 18.10.2018 07:23 Uhr

    Ich und mein Mann haben seit Kurzem einen Kachelofen und wir möchten uns Mühe geben, den am besten zu pflegen. Den Artikel fanden wir sehr hilfreich, wie wussten nicht, dass wir alle vier bis sechs Wochen den Aschekasten entleeren sollten. Wir werden das machen!

    direkt antworten
  6. Laura Heimisch 30.10.2018 11:20 Uhr

    Ich habe im Wohnzimmer einen schönen Kamin, der aber jetzt nicht mehr sauber und schön aussieht. Deshalb habe ich mich dafür entschieden, den Kamin zu sanieren. Ich wusste übrigens nicht, dass wegen Kohlenwasserstoffen Abgase auch in den Wohnraum gelangen können. Ich werde mit dem neuen Kamin mehr aufpassen und den Kamin regelmäßig reinigen.

    direkt antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.