Warum der Kassenzettel nicht ins Altpapier gehört

Warum der Kassenzettel nicht ins Altpapier gehört

Täglich bekommen wir sie in die Hand gedrückt, nur um sie wenige Sekunden später zu zerknüllen, ohne sie eines Blickes gewürdigt zu haben: Die Rede ist von Kassenzetteln und Kassenbons. Die meisten Menschen machen sich über die Entsorgung kaum Gedanken und werfen sie einfach ins Altpapier. Nur wenige Verbraucher wissen jedoch, dass sie dort eigentlich gar nicht hingehören. Warum der Kassenzettel eben nicht ins Altpapier gehört und wo Sie ihn stattdessen entsorgen sollten, das verraten wir Ihnen jetzt.

Kassenzettel und Kassenbons werden auf Thermopapier gedruckt

Die Tatsache, dass Kassenbons und Kassenzettel nicht ins Altpapier gehören, liegt darin begründet, dass sie noch immer in vielen Fällen aus Thermopapier bestehen. Obwohl Verbraucher mit Thermopapier erfahrungsgemäß sehr sorglos umgehen, steckt darin nicht selten eine gefährliche Substanz. Bei Thermopapier handelt es sich nämlich um eine spezielle Papiersorte, bei der der Druck ohne Auftragen von Farbe, sondern nur durch Hitze möglich ist. Dabei wird der Farbstoff des Thermopapiers chemisch entwickelt – in etwa nach derselben Vorgehensweise wie bei einem Foto. Als Entwicklungssubstanz kommt oft eine Beschichtung mit Bisphenol A (kurz: BPA) zum Einsatz.

Thermopapier ist gerade für Menschen, die ständig damit in Kontakt geraten, eine Gesundheitsgefahr, also insbesondere für Kassierer und Kassiererinnen. Der Grund: BPA gilt als hormoneller Schadstoff, der eine ähnliche Wirkung wie Östrogen hat.

Der Stoff kann den menschlichen Hormonhaushalt durcheinander bringen, was insbesondere in sensiblen Lebensphasen wie zum Beispiel in der Schwangerschaft ein Problem ist. Die Wirkung von BPA wird mit allerhand Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht. Dazu gehören beispielsweise:

  • Entwicklungsstörungen bei Jungen und Mädchen
  • Unfruchtbarkeit
  • Brustkrebs
  • Diabetes
  • Verhaltensstörungen

Mittlerweile fordern aus diesem Grund zwar viele Institutionen die Nutzung von phenolfreien Farbentwicklern, allerdings ist das noch kein Standard und es werden noch ein paar Jahre vergehen, bis ein Verbot endgültig in Kraft tritt. In Frankreich darf BPA seit 2015 nicht mehr in Lebensmittelverpackungen und in der gesamten EU seit 2011 nicht mehr in Babyflaschen aus Kunststoff verwendet werden. Außerdem hat die EU-Kommission bereits BPA in Thermopapier verboten. Dieses Verbot wird aber erst 2020 tatsächlich umgesetzt und gilt erst dann auch für Kassenbons.

Kassenbons im Altpapier werden zum Umweltproblem

Bis zum endgültigen Verbot ist BPA-haltiges Thermopapier nicht nur ein Gesundheits-, sondern auch ein Umweltproblem. Durch die falsche Entsorgung im Altpapier kann das BPA in den Recyclingkreislauf gelangen. Recyceltes Toilettenpapier kann demnach auch Kassenbons enthalten, die im Altpapier entsorgt wurden. So gelangt BPA in die Kläranlagen und schließlich in die Gewässer. Das Umweltbundesamt bestätigt bereits, dass in den vergangenen Jahren ein verstärktes Vorkommen von BPA in Gewässern nachgewiesen werden konnte.

Aus Sicht der Umwelt ist es die beste Lösung, den Kassenbon von vornherein abzulehnen. In vielen Supermärkten, Apotheken und Restaurants werden Sie mittlerweile bereits gefragt, ob Sie einen Kassenzettel benötigen. Wenn Sie das verneinen, wird er in der Regel gar nicht erst gedruckt, sodass Sie zur Müllvermeidung beitragen.

Jeden Kassenzettel, den Sie nicht vermeiden können, sollten Sie im Restmüll und nicht im Altpapier entsorgen. Im Fall von BPA-haltigem Thermopapier ist die Müllverbrennung die bessere Alternative für die Umwelt.

Tipps zum richtigen Umgang mit Kassenzetteln

Durch Thermopapier wie Kassenzettel kann BPA über die Haut in den menschlichen Körper gelangen. Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) enthält das Papier zwischen 0,5 und 3,2 Prozent BPA, welches nicht fest im Papier gebunden ist und sich deshalb leicht herauslöst. Bisher sei es zwar noch unklar, wie viel BPA aus dem Thermopapier tatsächlich über die Haut aufgenommen werden kann, allerdings kann es nicht schaden, im Umgang mit Kassenbons und Kassenzetteln vorsichtig zu sein. Aus diesem Grund empfehlen wir Ihnen, folgende Tipps zu beachten:

  • Waschen Sie sich immer die Hände, nachdem Sie einen Kassenzettel aus Thermopapier in den Händen hatten
  • Achten Sie darauf, dass Kinder nicht mit den Quittungen spielen
  • Auch Kontoauszüge, Lotteriezettel, Automatenbelege und Faxpapier können auf BPA-haltigem Thermopapier gedruckt werden und müssen daher im Restmüll entsorgt werden

Ganz besondere Vorsicht ist geboten, wenn kleine Kinder mit Quittungen, Fahrscheinen und Kassenzetteln aus Thermopapier spielen. Sie könnten das Papier beim Spielen in den Mund nehmen und das BPA so oral aufnehmen.

Zusammenfassung

Die meisten Verbraucher entsorgen ihre Kassenzettel und Kassenbons nach dem Einkauf im Supermarkt gedankenlos im Altpapier, ohne sich darüber im Klaren zu sein, wie stark sie die Umwelt damit belasten können. Der Grund dafür ist, dass Kassenbons auf BPA-haltigem Thermopapier gedruckt werden. Durch die Entsorgung im Altpapier kann das gesundheits- und umweltschädliche BPA in den Recyclingkreislauf gelangen und somit später den Kläranlagen und den Gewässern zugeführt werden, was ein echtes Problem für die Umwelt darstellt.

Artikelbild: siam.pukkato / Bigstock.com

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