Nachhaltig: Betonpflastersteine, die sich selbst reinigen

Nachhaltig: Betonpflastersteine, die sich selbst reinigen

Die Sicherstellung einer guten Luftqualität ist die Priorität vieler Länder und Städte. Doch in den großen Metropolen lässt sie häufig zu wünschen übrig. Gemessen wird die Luftqualität am sogenannten Air Quality Index (AQI). Diese Zahl ist eine Repräsentation aller Messdaten zur Messung der Luftqualität. Je höher der Index, desto schlechter ist die Luftqualität. In Deutschland haben viele Städte einen relativ guten Index, lediglich Berlin hat mit dem hohen Stadtverkehr zu kämpfen.

Die Luftqualität spielt seit geraumer Zeit eine immer größere Rolle – sowohl in der EU als auch anderen Ländern der Welt. Speziell in der EU gelten seit 2010 strenge Grenzwerte für Stickoxide. Diese müssen spätestens Ende dieses Jahres (2015) eingehalten werden. Sie bereiten deutschen Städten seit Jahren große Probleme. Selbst die Ökometropole Freiburg schafft es nicht, den EU-Grenzwert für Stickoxide einzuhalten, wie welt.de informiert.

Laut dem Umweltbundesamt hat die Schadstoffbelastung der Luft beginnend mit dem Mauerfall abgenommen. Dies verdankt man in erster Linie den Bemühungen vieler Branchen, emissionsarme Produkte herzustellen. Diese Bemühungen scheinen aber an ihre Grenzen gelangt zu sein. Seit dem neuen Jahrzehnt gibt es keine großen Fortschritte mehr. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass neue Möglichkeiten erforscht werden, Emissionen zu reduzieren und die Luftqualität zu erhöhen.

Wenn Betonpflastersteine die Luft reinigen

Der Schadstoffabbau mit Photoment ist eine solche neue Möglichkeit, die Luft zu reinigen. Es handelt sich um spezielle Pflastersteine, die mit dem Betonzusatzstoff Photoment ausgestattet sind. Dieser Stoff ist dank seiner photokatalytischer Aktivität in der Lage, die Luft zu reinigen. Dies verdankt Photoment seinen Bestandteilen, zu denen feinkörnige Partikel aus Aluminium-, Silizium- sowie Eisenoxid aber auch Titandioxid gehören. Letzteres wird unter anderem als Weißpigment in Farben sowie Kunststoffen verwendet.

Ziel von Photoment ist es also, die Luftqualität zu verbessern und somit auch den Lebensstandard der Menschen zu erhöhen. Die Wirksamkeit dieses Stoffes wurde von Untersuchungen der Universität Mainz und TU Berlin bestätigt.

Da es sich bei Photoment um ein feinkörniges Pulver eignet, welches in der Herstellung von Baumaterialien verwendet werden kann, ist sein Einsatzgebiet groß. Derzeit ist es in einigen Kommunen in Betonpflastersteinen im Einsatz. Dabei reinigen die Pflastersteine bei Tageslicht oder Strahlung mit künstlicher Beleuchtung die Luft, indem sie als Photokatalysator wirken. Soll heißen: Organische sowie anorganische Moleküle werden abgebaut. Dadurch entsteht Nitrat, welches beim nächsten Regen von den Pflastersteinen gewaschen wird.

Der Clou an dem Vorgang ist, dass der Photokatalysator nicht verbraucht wird. Die Reinigung kann somit beliebig oft erfolgen, ohne dass die Qualität darunter leidet.

Selbstreinigende Oberflächen könnten die Zukunft sein

Photoment reinigt nicht nur die Luft, sondern auch die Oberfläche des Baumaterials. Untersuchungen von Professor Dr. Michael Bruse vom geografischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz zufolge lohnt sich der Zusatzstoff überall dort, wo die Anzahl an Schadstoffen hoch ist, ausreichende Kontaktflächen zur Verfügung stehen, sowie die Kontaktzeit groß ist.

Zu diesen Flächen gehören unter anderem die bereits erwähnten Pflastersteine, die in praktisch jeder Stadt Deutschlands zum Einsatz kommen. Ihre Wirksamkeit wurde unter anderem in der Innenstadt von Bottrop bewiesen: Hier wurde der Gehweg im Kreuzungsbereich Essener Straße/Peterstraße zur Teststrecke mit Photoment-Pflastersteinen ausgebaut. Die Straße wurde bewusst ausgewählt, weil die Luftbelastung besonders hoch ist.

Photoment eignet sich aber nicht nur für Pflastersteine, sondern jedes andere Baumaterial. In absehbarer Zeit könnte es zum Beispiel in Hausfassaden zu finden sein: Diese haben in feuchten Gebieten der Bundesrepublik mit dem Wachstum organischer Substanzen wie Moosen, Algen und Pilzen zu kämpfen. Auch hier kann Photoment helfen, das Wachstum zu hemmen.

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Neben den Hauswänden kann Photoment in folgenden Bereichen angewendet werden:

  • Dachsteine
  • Fassadenputze und -farben
  • Lärm- und Sichtschutzwände
  • Fahrbahndecken

Für eine möglichst wirksame Reinigung ist es wichtig, dass die Beziehung zwischen vorhandener Fläche und der Lichteinstrahlung möglichst hoch ist.

Artikelbild: © Teeraphat / Shutterstock


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