Der Hausschwamm: Vorkommen, Bedrohung und mögliche Schäden

Der Hausschwamm: Vorkommen, Bedrohung und mögliche Schäden

Die Wissenschaft nennt ihn „Serpula lacrymans“, für den Otto-Normalverbraucher ist er als Hausschwamm bekannt. Wissenschaftler finden den Hausschwamm äußerst faszinierend, Hausbesitzer sind von dem Pilz dagegen gar nicht entzückt. Wo er auftaucht, ist Ärger vorprogrammiert. Der Pilz richtet bereits seit Jahrhunderten Schäden an und sorgt bei den Betroffenen für Kopfzerbrechen.

Mythen und Tatsachen

Rund um den Hausschwamm rangen sich viele Mythen, eine faszinierender als die andere. Einer der faszinierenden Mythen spielt im 17. Jahrhundert: Damals soll der Hausschwamm ganze Flotten von Kriegsschiffen befallen und außer Gefecht gesetzt haben, bevor sie in den Kampf gingen konnten. Ein weiter Mythos, der die Zerstörungskraft des Pilzes zeigt, reicht bis in den Zweiten Weltkrieg zurück. Der Hausschwamm soll Wohngebäude mit mehreren Etagen befallen und zum Einsturz gebracht haben.

Wie kommt es allerdings, dass ein Pilz, der eigentlich im Wald zu Hause ist, sich plötzlich überwiegend in menschlichen Behausungen einnistet. Dies ist unter anderem mit seiner unbeschreiblichen Anpassungsfähigkeit zu beschreiben. Der Hausschwamm hat sich an sein neues Zuhause angepasst: Seine Form reicht von den mehrere Zentimeter dicken Myzelmatten bis hin zu spinnenwebartigen Myzelien. Zusätzlich formt der Pilz bindfadenartige Stränge, welche unter dem Fußboden Entfernungen von mehreren Metern überbrückt und zum Teil Mauern durchdringt. In den Strängen transportiert der Hausschwamm Nährstoffe und Wasser zur Wachstumsfront.

Besonders gefährlich ist der Fruchtkörper des Pilzes, welcher genauso anpassungsfähig ist. Je nach Hausform und Umgebung bildet er knotige Auswüchse, flache Überzüge oder waagerecht abstehende Hüte. Auf den Körpern bilden sich Hymenien (Fruchtschichten), welche als Sporenträger unglaubliche Mengen an Sporen produzieren. Diese werden von der Luft verteilt und bedecken als fein bräunlicher Staub Möbel, Fußböden und andere Einrichtungsgegenstände.

Aufgrund seiner Vielseitigkeit und Anpassungsfähigkeit ist der Hausschwamm zu einem gefürchteten Organismus geworden, der Häuser und Wohnungen befallen kann. Man munkelt, dass der Pilz die Kraft hat, trockenes Holz zu bewachsen und zerstören. Seine Verbreitung wäre sogar möglich, wenn er sich an die Fußsohlen eines Arbeiters haftet und in ein unbefallenes Gebäude getragen wird. Doch was ist wirklich dran an den Mythen? Ist der Pilz wirklich zu solch zerstörerischen Dingen fähig? Die Antwort lautet ganz klar: Ja. Nicht umsonst haben Sanierer und Holzschutzgutachter recht, wenn sie befallene Holzbalken großzügig (etwa ein Meter über den sichtbaren Rand) gesund schneiden.

Wo der Hausschwamm vorkommt

Früher war der Hausschwamm in feuchten, schlecht beheizten Fachwerkhäusern zu finden. Heute breitet sich der Echte Hausschwamm überwiegend in Erdgeschossen und im Keller sowie leer stehenden Immobilien aus. Ebenfalls gefährdet sind Neubauten, die Probleme mit Kondenswasser an Wärmebrücken oder Wassereintrittstellen besitzen. Der Ausgangspunkt des Problems beginnt in der Regel mit einer Infektion im Keller, in dem Nadelholz verbaut ist. Durch die Infektion wird später auch Eiche, Buche und anderes Laubholz befallen. Die Pilzfäden und -stränge des Hausschwammes durchdringen Mauern, Wärmedämmstoffe sowie poröse Mörtel im Mauerwerk und Fugen. In seinen wasserleitenden Gefäßen, Rhizomorphen genannt, transportiert der Pilz Feuchtigkeit, um trockenes und neues Holz zu befeuchten und anschließend abzubauen.

Neben Massivholz zerstört der Hausschwamm andere cellulosehaltige Stoffe wie Papier, Stroh, Span- und Faserplatten, Fasermatten, textile Gewebe und Schilfdämmstoffe, vorausgesetzt, dass in den Materialien eine hohe Feuchte zu finden ist. Dazu müsste die Raumluftfeuchtigkeit bei mehr als 90 Prozent liegen. Der Pilz kann dagegen kein Holz mit einer Feuchte von weniger als 20 Prozent abbauen. Optimale Wachstumsbedingungen genießt der Hausschwamm, wenn die Temperatur bei 21 °C und die Holzfeuchte zwischen 30 und 40 Prozent liegen. Bei Temperaturen über 26 °C verfällt der Pilz in eine Trockenstarre, in der er bis zu zehn Jahre überdauern kann, bis er abstirbt.

Warum er die Gesundheit schädigt

Die erste Gefahr geht davon aus, dass der Pilz durch seine Aggressivität die Bausubstanz des Gebäudes schädigt und so eine Einsturzgefährdung mit einem hohen Unfallrisiko für alle Bewohner provoziert. Der Pilz an sich beziehungsweise Fruchtkörper und Mycelien sind für den Menschen harmlos. Die in großen Mengen auftretenden Sporen können dagegen zu allergischen Reaktionen führen. Ein großes Sporenvorkommen ist gleichzeitig ein Indiz dafür, dass das Holz der Immobilie massiv beschädigt wurde.

Ebenfalls problematisch sind alte, abgestorbene Fruchtkörper, die von Schimmelpilzen wie Fusarium, Cladosporium und Aspergillus befallen werden. Diese wiederum können Unwohlsein, Allergien, Kopfschmerzen und im schlimmsten Fall Mykosen auslösen.

Pilzbefall festgestellt: Meldepflicht und Hausschwamm-Sanierung

Wenn der Pilzbefall vermutet oder festgestellt wurde, dann müssen Eigenheimbesitzer schnell handeln: Einerseits besteht in vielen Bundesländern Meldepflicht für den echten Hausschwamm, andererseits müssen sie schnellmöglich mit der Hausschwamm-Sanierung beginnen. Die Meldepflicht ist in der Bauordnung des Bundeslandes geregelt. Aktuell gilt die Meldepflicht nur noch in Sachsen und Thüringen.

Im § 16 „Schutz gegen schädliche Einflüsse“ der Sächsischen Bauordnung heißt es:

„(1) Bauliche Anlagen sowie andere Anlagen und Einrichtungen im Sinne von § 1 Absatz 1 Satz 2 müssen so angeordnet, beschaffen und gebrauchstauglich sein, dass durch Wasser, Feuchtigkeit, pflanzliche oder tierische Schädlinge sowie andere chemische, physikalische oder biologische Einflüsse Gefahren oder unzumutbare Belästigungen nicht entstehen.

(2) Werden in Gebäuden Bauteile aus Holz oder anderen organischen Stoffen vom Hausbock, vom echten Hausschwamm oder von Termiten befallen, so haben die für den ordnungsgemäßen Zustand des Gebäudes verantwortlichen Personen unverzüglich ein Fachunternehmen mit der Bekämpfung und Schadensbeseitigung auf der Grundlage einer Sachverständigeneinschätzung zu beauftragen und der Bauaufsichtsbehörde die Beauftragung sowie den Abschluss der Arbeiten schriftlich anzuzeigen.“

Sollten Vermieter den Verdacht von Pilzbefall hegen, sollten sie umgehend ihren Mieter benachrichtigen, damit er alle notwendigen Schritte einleiten kann.

Für die Sanierung wird ein professionelles Team mit langjähriger Erfahrung benötigt, welches den Pilz effektiv und sorgfältig beseitigen kann. Dies ist aus dem Grund wichtig, da der Pilz in den meisten Fällen erst sehr spät festgestellt wird. Um den Pilz loszuwerden, muss das Unternehmen:

  • das Holz mit Schwammpermitteln behandeln oder komplett austauschen,
  • das Mauerwerk befreien, reinigen und anschließend behandeln und
  • forschen, wie es zum Pilzbefall kam.

Achten Sie bei der Wahl der Sanierer auf Facharbeiter und Holzgutachter mit Zertifikat, die über ausreichende Erfahrung verfügen.

Vorbeugemaßnahmen: Damit es nicht zur Sanierung kommt

Wer sich eine Hausschwamm-Sanierung ersparen möchte, sollte seine Holzkonstruktion regelmäßig kontrollieren. Werfen Sie einen Blick auf die Bausubstanz und vor allem das Abwassersystem. Funktioniert dieses nicht richtig und Wasser tropft irgendwo unterhalb des Hauses, entstehen die oben beschriebene Umgebung für den Hausschwamm. Kommt es zu einem Wasserschaden, muss er zügig behoben werden. Dabei auch darauf achten, dass keine Feuchtigkeit zurückbleibt. Eine weitere Vorbeugemaßnahme ist das richtige Lüften, und zwar nicht nur in der Wohnung, sondern auch im Keller und Dachboden. Nur mit frischer Luft wird die Feuchte vertrieben und der Pilz findet keine ideale Umgebung zum Wachsen.

Abschließend noch einige Tipps zur Vorbeugung:

  • in Kellerräumen für eine gute Belüftung sorgen
  • Abbruchholz nicht in Gebäuden lagern
  • Brennholz und Verpackungsmaterialien nicht in feuchten Kellern, auf Böden oder Wänden lagern
  • Wand- und Raumoberflächenfeuchte regelmäßig kontrollieren
  • wenig dampfdurchlässige Bodenbeläge vermeiden

Artikelbild: By Andreas Kunze (Own work) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

2 Kommentare

  1. Michael Berger 16.09.2018 11:33 Uhr

    Danke für die vielen Infos! Vor ein paar Jahren hatte ich auch mal Hausschwamm im Keller, da bekommt man ja erst einmal ganz schön Panik. Ich wollte dann auch nicht irgendwie selber mit irgendwelchen Mitteln rumprobieren, sondern habe mir direkt einen professionellen Schädlingsbekämpfer gesucht, der sich darum gekümmert hat. Der hat den Hausschwamm mit einer speziellen Wärmebehandlung auch sehr kompetent entfernt, sodass ich bisher keine Probleme mehr damit hatte.

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  2. Mian 09.01.2019 15:21 Uhr

    Für eine Wasserschadensanierung in Niederösterreich, ist hier ein Anbieter
    Ich hoffe, dass es sich schnell behandeln lässt. Hoffentlich kommt es nicht so weit!

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